Poker – Strategien, Tipps und Tricks

November 28, 2008

Wie man die Bubble-Phase in einem Sit’n'Go meistert

Filed under: Sit'n'Go — admin @ 9:09 pm

Bei einem normalen Sit’n'Go mit neun Spielern kommen die ersten drei Teilnehmer ins Geld. Deshalb findet die entscheidende Phase dann statt, wenn nur noch vier Spieler im Rennen sind. Drei von ihnen werden Geld gewinnen und einer von ihnen geht mit leeren Händen nach Hause. Man muss es nicht erwähnen, der vierte Platz bei einem 9-Spieler Sit’n'Go ist undankbar und enttäuschend.

Es bricht eine unberechenbare Zeit an, wenn Dein Stack kleiner wird, die Blinds steigen und jeder versucht ins Geld zu kommen. Um das meiste aus einem Sit’n'Go herauszuholen, musst Du ein Meister des Spiels während der Bubble-Phase werden.

Bei Full Tilt Poker bekommt der erste Platz 50% des Preispools, der zweite Platz 30% und der dritte Platz 20%. Aber lass Dich nicht von den 20% irritieren. Es sind nicht wirklich 20% für Platz 3. Wenn nur noch drei Spieler übrig sind wurden bereits 60% verteilt und die letzten drei Spieler kämpfen um die restlichen 40%. Deshalb ist es so wichtig, dass Du ins Geld kommst. Du musst ein paar schwierige Entscheidungen treffen und gute Lay-Downs machen, damit Du einen Teil der 60% bekommst.

Hier ist ein Beispiel einer Hand die Du meistens anders spielen würdest, als wenn es um die Bubble bei einem SNG geht: Du bist Zweiter nach Chips mit 3.000, die Blinds sind 100/200 und Du bekommst Ad-7d im Big Blind. Der Chipleader ist am Button und raist auf 600, der SB foldet und Du callst die 400. Der Flop bringt Q-8-3 mit zwei Karo; ein recht attraktiver Flop für Deine Hand. Du checkst und Dein Gegner macht genau das, wovor Du Angst hattest: er setzt Dich All-In mit einer Wette die doppelt so groß wie der Pot ist. Du bekommst etwas besser als 3:2 Pot Odds für einen Call, der Dein Turnier beenden kann.

In dieser Situation würdest Du eher callen, wenn Du in der frühen Phase eines SNG bist oder wenn die Bubble schon vorbei ist. Dies ist aber eine besondere Situation. Du bist bei der Bubble und 60% des Preispools steht kurz davor verteilt zu werden. Wenn Du hier callst, stehen Deine Chancen etwa 50/50 um der Spieler zu sein, der kein Geld bekommt. Dies ist einer der Momente, bei dem Du die Struktur des SNGs Deine Entscheidung beeinflussen lassen musst.

Nach der Bubble-Phase sollte Deine Einstellung sich radikal verändern. Schau Dir noch einmal die Payout-Struktur an: die letzten drei Spieler kämpfen um die übrigen 40% des Preispools. Wenn Du Platz 2 erreichst, bekommst Du weitere 10%, aber wenn Du das SNG gewinnst erhältst Du 30% dazu. Man bekommt also dreimal so viel für den Sieg, wie für Platz 2. Dein Ziel ist jetzt mit allen Mitteln Erster zu werden. Dabei darfst Du keine Angst haben als Dritter auszuscheiden.

Du musst bereit sein Deine Chips zu riskieren um einen Stack aufzubauen, der Dir den Sieg bringen kann. Wenn Du eine Hand wie J-9 oder A-rag (eine kleine Karte) bekommst und es so wirkt als würde jemand viel stehlen, wehre Dich und gehe All-In. Du willst nicht weggeblindet werden und Dich auch nicht ins Heads-Up folden, nur um dann dort zu verlieren.

Bei diesen Strukturen ist das erste Ziel ins Geld zu kommen. Nachdem das geschafft ist, geht es um den Sieg.

November 19, 2008

Redraws beim Pot-Limit Omaha

Filed under: Potgröße — admin @ 11:28 pm

Wenn Du noch nicht viel Erfahrung beim Pot-Limit Omaha hast, gibt es eine gute Faustregel. Spiele Hände, die Dir die Nuts bringen können, weil an einem vollen Tisch gewinnt meist der Spieler mit der bestmöglichen Hand. Wenn drei Flushkarten in der Mitte liegen hat der Sieger meist den Ace-high Flush und wenn das Board ein Paar zeigt, hat der Sieger meist ein Full House. Es ist nett die Nuts zu floppen, aber es ist noch wichtiger Redraws zu den Nuts zu haben, falls sich das Board auf den späteren Streets ändert.

Weil Du vier Karten in der Hands hast und nicht mehr nur zwei, sind die Starthände in Omaha viel näher zusammen im Wert als bei Texas Hold’em. Vier zufällige Karten, die kein Paar enthalten, werden nie deutlich schlechter sein als irgendeine andere Starthand. Die Werte verändern sich sobald der Flop in der Mitte liegt und dann ändern sie sich dramatisch. Beim Omaha ändert sich die beste Hand von Street zu Street. Die Nuts bleiben kaum die gleichen und die beste Hand am Flop ist selten noch die beste am River. Wenn Du mit Deiner Hand weiterspielen willst, brauchst Du Redraws, die Dir eine Menge Outs geben.

Mehr als alles andere geht es beim PLO um Straßen und deren Möglichkeiten. Du solltest immer darauf achten, dass Deine Hände eine 10 oder 5 enthalten, weil viele Straßen enthalten die eine oder andere Karte. Zehner sind deshalb besonders wichtig, weil sie häufig die Nut-Straight machen. Wenn viel Action am Flop ist und das Board sich nicht gepaired hat, solltest Du wirklich einen Redraw zur Nut-Straight haben. Wenn Du auch noch einen Flushdraw hast – umso besser.

Falls Du keinen Redraw hast, ist die schlechteste Hand, die Du beim PLO floppen kannst, ein niedriger Drilling. Die Chancen, dass Dein Set am River immer noch gut ist, sind minimal. Zu oft wirst Du von einem höheren Set, Straight oder Flush geschlagen werden. Deshalb sollten vor allem Anfänger darauf achten, auf Starthände zu verzichten, die kleine Paare wie 5er oder 7er enthalten. Die Hände bringen Dich eher in Schwierigkeiten, als dass Du damit Geld machen wirst. Es wird schlauer sein, sie vor dem Flop zu folden.

Einen Redraw zu den Nuts zu haben ist sehr wichtig beim Pot-Limit Omaha. Deshalb ist es auch oft die richtige Entscheidung am Flop die Nuts zu folden, wenn das Board gefährlich aussieht und Du keine Chance hast, Deine Hand zu verbessern. Das mag für Texas Hold’em-Spieler verrückt klingen, ist aber die Realität beim PLO. Die beste Methode dem entgegenzuwirken ist es, vier Karten als Starthand auszuwählen, die alle miteinander funktionieren, damit Du den Flop treffen und aggressiv spielen kannst, weil Du weißt, dass Du eine Chance hast, Dich bis zum River weiter zu verbessern.

Hier ist ein Beispiel worüber ich genau rede. Sagen wir, Du hast J-10-3-2 und der Flop bringt 9-8-7. Du hast die Nut-Straight gefloppt, aber Du kannst nicht allzu sehr feiern. Wenn ein Bube oder eine Zehn am Turn oder River folgen, hast Du nicht mehr die Nuts. Wenn zwei Karten zu einem Flush im Flop liegen, sieht es noch schlechter für Dich aus.

Dies ist eine schwierige Situation, weil jede Veränderung des Boards kann Deine Hand ruinieren. Wenn sich das Board paired, verlierst Du gegen ein Full House. Wenn die dritte Karte einer Farbe kommt, verlierst Du gegen einen Flush. Selbst wenn die Straight bis zum River die Nuts bleibt, ist die Chance hoch, dass Du den Pot mit jemandem teilen musst der ebenfalls die Nut-Straight hält.

Wenn Du eine Starthand bekommst, die Straight-Potential hat, ist es gut wenn Sie eine Lücke hat. Denke daran, es ist besser, wenn sie eine Lücke am unteren Ende hat als andersherum. Zum Beispiel ist J-10-9-7 eine bessere Hand als J-9-8-7, weil die erste Hand sich nach oben verbessern kann. Wenn der Flop 8-6-5 bringt, hast Du mit beiden Händen die Nuts gemacht, kommt aber eine 9 am Turn, hat nun die erste Hand eine höhere Straße und die aktuellen Nuts. Viele Beginner ignorieren diese Tatsache und spielen Hände wie 6-5-4-3. Auch wenn die Karten perfekt verbunden sind, ist diese Hand nicht so chic wie sie aussieht, weil sie kein Potential hat, sich zu verbessern.

Wie Du siehst, reicht es in diesem Spiel nicht, die Nuts zu floppen. Du brauchst auch Redraws um neue Nuts zu machen, wenn sich das Board ändert und weil es Pot-Limit Omaha ist, macht es das immer.

November 11, 2008

Line 2: Bet am Flop – Check am Turn – Call am River

Filed under: Betting lines — admin @ 10:41 pm

Diese Variante, eine Hand zu spielen, gehört zum absoluten Expertenwissen und wird auch von mittelmäßig guten Spielern viel zu wenig angewendet. Sie dient vor allem dazu, absolut preiswert in Position zum Showdown zu gelangen gegen (semi)-aggressive Opponenten, die durchaus zu Bluffs und Semi-bluffs fähig sind. Gerade gegen diese Gegner haben kleine Paare oder As-hoch-Hände eine zu hohe Wertigkeit in Bezug auf die mögliche Handrange, sodass wir diese nicht einfach weglegen können. Andererseits wollen wir auch nicht unbedingt drei Big Bets für ein Heruntercallen investieren.

Ein weiterer Vorteil ist, dass wir so gegen Bluffs einen weiteren Big Bet auf dem River gewinnen, den wir ansonsten auf dem Turn bereits aufgegeben hätten.

Wichtig ist hierbei zu beachten, dass wir diese Variante tendenziell nicht gegen sehr gute Gegner anwenden sollten, da solche fähig sind, unseren Plan zu durchschauen und entsprechend auf dem River ihre gesamten Hände, die uns schlagen können, noch mal setzen und alle anderen von uns geschlagenen Hände einfach ein weiteres Mal zu uns checken. Hauptadressat für diese Art und Weise zu spielen sind somit Gegner, die schlechte Fähigkeiten in Bezug auf das Lesen von gegnerischen Händen haben und daher eher gewillt sind, ihre völlig hoffnungslosen Hände in Bluffs umzuwandeln und somit unser As-hoch mit starker Regelmäßigkeit auszuzahlen.

* Beispiel:

Im Cut-off finden wir
[Ace] [Queen]

Vor uns wird gepasst und wir erhöhen. Alle weiteren Spieler passen zum Big Blind (ein sehr sehr aktiver und schlechter Gegner, der viele Flops callt, aber fähig zu Bluffs und Semi-bluffs ist), der sich zu einem Call entschließt. Der Flop kommt:

[King of diamonds] [Seven of hearts] [Three of spades]

Der Big Blind checkt und wir setzen unseren Continuation-Bet in der Hoffnung, den Pot direkt einzusammeln. Dies misslingt jedoch, da der Gegner callt.

[Ten of diamonds]

Der Big Blind checkt und wir entscheiden uns, ebenfalls zu checken.

Viele Spieler würden an dieser Stelle ein weiteres Mal setzen, um sich mit einem Bet einen “free showdown” zu erkaufen, profitabler ist aber die hier beschriebene Linie.

Line 1: Bet/Call am Flop – Raise am Turn – Bet am River

Filed under: Betting lines — admin @ 10:40 pm

Diese Spielart ist geeignet, um Gegnern, die dazu neigen, häufig den Flop zu check/raisen, das Leben etwas schwerer zu machen und das Maximum an Wertigkeit zu extrahieren. Auch aus Bluffs des Gegners können wir auf diese Art und Weise die größere Anzahl an Spielchips bekommen, da die meisten Gegner eventuell einen Flop mit einem Bluff check/raisen und dann auch automatisch den Turn setzen, während sie auf einen Flop-Reraise direkt folden würden. Mit der beschriebenen Line gewinnen wir ergo einen Big Bet mehr gegen einen kompletten Bluff und einen Small Bet gegen eine zweitbeste Hand.

Ein wichtiger Hinweis ist, dass sich diese Art Hände zu spielen insbesondere für Fälle eignet, in denen die Flop-Struktur eher “trocken” (Regenbogen-Flop, wenige Draw-Kombinationen) als “drawlastig” ist (Flushdraw-Flop, Drei-Flush-Flop, sehr stark verknüpfte Karten, die viele Straßen ermöglichen könnten etc.). Auf drawlastigen Flops empfiehlt es sich, eher direkt Gas zu geben und viele Bets direkt zu investieren, da diverse Turn-Karten

* entweder unsere starke Hand in Gefahr bringen
* oder dem Gegner Sorge bereiten könnten und ihn daher dazu veranlassen, in einen passiven Modus umzuschalten, ergo unsere schöne starke Hand nicht in der Weise auszuzahlen, wie wir uns dies erhofft hatten.

* Beispiel:

Wir sitzen auf dem Button mit:
[King] [King]

Alle Spieler passen zu uns und wir erhöhen als Erster. Der Small Blind passt ebenfalls und nur der Big Blind (ein sehr solider, denkender tight-agressiver Spieler) geht mit. Zu zweit sehen wir den Flop:

[Ace of diamonds] [King of spades] [Eight of hearts]

Wir treffen das mittlere Set, eine sehr starke Hand. Der Big blind checkt seine Option zu uns, wir platzieren einen Bet und er raist nun. Dies ist eine gute Gelegenheit, um auf dem Flop nur zu callen und auf dem Turn zu raisen. Der Flop enthält wenige Draws und somit ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Gegner hier eine fertige Hand mit einem getroffenen As hält (ein mittleres Paar ist unwahrscheinlich, da wir selbst drei von vier Königen im Kartendeck sehen). Dies erlaubt uns hier auf dem Flop nur mitzugehen, um dann den Turn infolgedessen zu erhöhen. Da der Gegner ein gutes tight-aggressives Spielerprofil hat, wird er hier häufig das As halten und auch ein Raise auf dem Turn heruntercallen.

Line 3: Check/Call am Flop – Check/Raise am Turn

Filed under: Betting lines — admin @ 10:39 pm

Diese Variante wird von schlechten Spielern viel zu häufig verwendet und von mittelmäßigen bis mäßig guten Spielern deutlich zu wenig. Viele der angesprochenen Spieler wählen diese Variante, um starke bis extrem starke Hände außer Position in der Annahme zu spielen, sie würden damit mehr Wert aus der Hand ziehen.

Sie realisieren dabei nicht, dass sie dadurch, dass sie lediglich starke Hände in dieser Weise spielen, für gute Spieler leicht lesbar werden, die somit klare Entscheidungen haben und ihre schlechteren Hände auf dem Turn einfach aufgeben können, mit den guten Händen aber reraisen. Zudem birgt diese Bet-Sequenz die Gefahr, dem Gegner gratis Karten für einen eventuellen Straight- oder Flushdraw zu geben. Noch ein Aspekt ist, dass, falls der Gegner am Turn ebenfalls checkt, der gelesene Spieler deutlich weniger Wert aus seiner Hand ziehen kann.

Mittelmäßige bis mäßig gute Spieler kennen diesen Umstand und versuchen daher seltener, nach einem Check/Call auf dem Flop zusätzlichen Value mit einem Check/Raise am Turn zu generieren. Dies jedoch wird zum Problem, wenn man gegen semikompetente Opponenten spielt, da diese dann eine neue Line erkennen, nämlich dass man – wenn man auf dem Flop check/call spielt – entweder plant, den Turn zu folden oder preiswert zum Showdown zu kommen mit einer Hand wie einem mittleren Paar. Dies führt also ebenfalls dazu, dass das eigene Spiel berechenbar wird und Gegner sehr korrekte Entscheidungen treffen können.

Dies ist exakt, was wir als Pokerspieler vermeiden wollen. Wir wollen eben nicht leicht berechenbar sein und wollen das sprichwörtliche “As” im Ärmel haben, das es uns ermöglicht, uns variabel in diversen Situationen zu verhalten. Daher sollte man in Verteidigungssituationen von Blinds in der Lage sein, neben mittelmäßigen Blättern auch Hände wie Top Pair auf dem Flop check/call zu spielen. Dazu ein Beispiel.

* Beispiel:

Wieder im Big Blind. Diesmal halten wir:

[Queen] [Eight]

Der gesamte Tisch wirft seine Karten weg, nur der Button (ein semiguter Spieler, der halbwegs gut Hände lesen kann, jedoch kein Experte ist, und gegen den wir aufgrund seines hohen Spielvolumens schon häufiger gespielt haben) erhöht, der Small Blind foldet und wir gehen die Erhöhung mit. Zwei Spieler zum Flop.

[Queen of diamonds] [Seven of spades] [Two of hearts]

Wir treffen das Top Pair auf einem Flop, der von seiner Textur her (um es in der Pokersprache auszudrücken) sehr “trocken” ist, dies bedeutet, es liegen keine offensichtlichen Draws parat. In diesem Kontext ist unsere Hand besonders stark, auf dem Turn können wenige Karten kommen, die die Wertigkeit unserer Hand minimieren. Der Gegner erkennt dies ebenso und würde uns bei einem Flop-Check/Raise häufig auf eine fertige Hand setzen, da wir in dieser Situation keinerlei Draw halten können und ein Semi-Bluff daher nicht möglich ist.

Diese Konstellation ist hervorragend geeignet, um bis zum Turn zu warten, um zu check/raisen. Der Gegner wird hier häufig Hände auf dem Turn ein weiteres Mal betten, die er nach einem Check/Raise auf dem Flop gefoldet hätte. Hierzu muss man sagen, dass man nun nicht anfangen sollte, jedes Mal bis zum Turn mit einer Erhöhung zu warten – es ist jedoch eben jenes angesprochene “As im Ärmel”, das jeder Pokerspieler im Hinterkopf seines Arsenals an Spieloptionen haben sollte.

Line 2: Check/Raise am Flop – Bet am Turn – Bet am River

Filed under: Betting lines — admin @ 10:38 pm

Diese Herangehensweise kann als “Standard” für die Verteidigung unserer Blinds gelten. Wir gehen aus dem Big Blind eine Erhöhung mit, treffen eine gut spielbare Hand und checken zum Gegner, von dem wir einen Continuation-Bet erwarten. Das Ganze hier in der Absicht, unseren Gegner daraufhin zu raisen. Dadurch übernehmen wir die Initiative in der Hand und können nun aggressiv gegen ihn spielen. Dadurch, dass wir dies nicht nur mit dem stärksten Teil unserer möglichen Handkombinationen tun (z.B. Drillinge), sondern auch mit guten Draws (z.B. Flushdraw), ist dieses Spiel auch gut ausbalanciert und nicht leicht lesbar.

Es eignet sich insbesondere gut gegen Gegner, die gut im Handlesen sind und ihrerseits keine unnötigen Bets gegen uns insvestieren würden, falls sie eine gute, aber keine exzellente Hand haben, mit der sie zum Showdown gehen möchten. Hilfreich ist das Wissen darüber, dass der Gegner fähig ist, auf dem Turn “hinterher” zu checken).

* Beispiel:

Wir sitzen erneut im Big Blind und halten diesmal
[Four of clubs] [Four of diamonds]

Alle Spieler am Tisch folden zum Gegner im Cut-off (ein sehr guter, denkender Spieler, der gut Hände seines Gegners lesen kann), der nun erhöht. Button und Small Blind folden. Wir gehen mit. Zu zweit sehen wir den Flop.

[King of diamonds] [Eight of spades] [Four of hearts]

Wir treffen mit unserem Paar eine dritte Vier, Bottom-Set. Damit werden wir gegen nahezu alle Hände des Gegners, die dieser aus dem Cut-off heraus erhöhen wird, vorn liegen (Ausnahmen [King] [King] und [Eight] [Eight] ). Gleichzeitig liegt ein König im Flop, eine Karte, die sich mit vielen Händen aus seiner Spielzone verbindet (Hände wie AK, KQ, KJ, KTs, K9s halten jetzt ein sehr gutes Paar). Wir entscheiden uns daher für den Check/Raise aufgrund der Wertigkeit unserer Hand und des Umstandes, dass uns unser Gegner als guter Handreader hier häufig auf einen schwächeren König setzt und nun unseren Flop-Check/Raise nur callt, um dann den Turn zu raisen. Dies eröffnet uns die Möglichkeit, mehrere Bets auf mehreren Straßen einzusammeln.

Aber auch hier gilt:
wir wählen eine spezielle Line gegen einen spezifischen Gegnertyp. Wüssten wir z.B., dass der Gegner jeden Turn-Check/Raise automatisch 3-betted (kommt allerdings eher selten vor), sollten wir eine andere Line wählen.

Line 1: Check/Call am Flop – Check/Call amTurn – Check/Call am River

Filed under: Betting lines — admin @ 10:37 pm

Dieser Spielablauf eignet sich vor allem, um außer Position gegen einen aggressiven Gegner zu spielen, der schlecht im Lesen von Händen ist. Man gibt dem Gegner hierdurch die Möglichkeit, viel zu verlieren, während man das eigene Risiko niedrig hält. Mit dieser Variante gelangen wir günstig zum Showdown, was gegen Spieler, die extrem aggressiv sind, sehr wichtig ist, da auch mittelmäßige Hände häufig eine hohe Wertigkeit gegen sie besitzen. Andererseits können wir uns nicht sicher sein, die beste Hand zu halten, und wollen daher nicht zu viele Chips in den Pot investieren.

* Beispiel:

Wir sitzen im Big Blind und halten
[King of clubs] [Ten of clubs]

Alle Spieler am Tisch folden zum Button, einem aggressiven Gegner, der gern mit Initiative spielt, viel blufft und in unserem Fall wie erwartet raist. Der Small Blind foldet und wir callen. Zu zweit sehen wir den Flop.

[Queen of hearts] [Ten of diamonds] [Five of spades]

Wir haben das mittlere Paar getroffen und damit eine recht starke Hand in Relation zu der möglichen Range, die der Gegner halten könnte. Viele aggressive 6-max-Spieler erhöhen mit 45 %, teilweise sogar mit 50 % aller möglichen Hände, wenn auf dem Button zu ihnen gefoldet wurde. Hiervon sind auf diesem Flop viele schlechter als unser Middle Pair und wir könnten aus diesem Grund und aufgrund der Wertigkeit unserer Hand den Flop check/raisen. Allerdings gilt es abzuwägen, wie wir es schaffen können, aus unserer Hand maximalen Wert zu extrahieren.

Gegen die Art Gegner, die wir hier geschildert haben (aggressiv und blufft gern) ist es häufig sinnvoller, ihn bluffen zu lassen und einfach jede Straße nach dem Flop zu checken und bei seinem Bet mitzugehen (außer, die Textur des Boards wird immer schlechter, so dass eventuell auch ein Fold in Frage kommt).

Standard-Lines im Big Blind

Filed under: Betting lines — admin @ 10:36 pm

Das Spiel “out-of-position”, kurz OOP, ist für einen Pokerspieler, gleich welchen Fähigkeitslevels, ein schwieriges Unterfangen. OOP muss man in jeder Setzrunde nach dem Flop zuerst agieren, und da Poker ein Spiel ist, in dem man aus den verfügbaren Informationen das Maximum herausholen muss, ist es somit logischerweise ein großer Nachteil, nicht zu wissen, was der Gegner vorhat. Man sollte also gerade hier wissen, wie man die Hand nach dem Flop weiterspielen möchte.

Gerade im 6-max Limit Hold’em (siehe FLHE-6-max-Artikel) wird das Gros der Hände entweder zu zweit (”heads-up”) oder zu dritt ausgetragen. Wir fokussieren an dieser Stelle einfachheitshalber auf “Lines” in Händen, in denen wir außer Position heads-up spielen müssen. Hierbei gehen wir von Beispielhänden aus und erklären, warum wir eine bestimmte Art gewählt haben, die Hand zu spielen. Die erklärten Konzepte sind mit Anpassungen auch auf Situationen anwendbar, in denen wir mit mehreren Spielern in eine Hand involviert sind.

Lines im Limit Hold’em

Filed under: Betting lines — admin @ 10:35 pm

Limit Hold’em ist ein auf den ersten Blick einfaches Spiel. Wenn wir vor dem Flop eine gute Hand halten, erhöhen wir. Wenn wir eine gute Hand auf dem Flop halten, setzen oder erhöhen wir ebenfalls. Wenn wir einen guten Draw halten, callen oder erhöhen wir (bei ausreichend Gegnern oder Outs). Hört sich doch eigentlich ganz simpel an – warum schlagen dann so viele Spieler Limit Hold’em nicht für das theoretisch höchstmögliche Maximum, wie kann ein Spiel so simpler Natur uns so häufig vor so viele schwierige Entscheidungen stellen und uns als Limit-Hold’em-Spieler häufig so verloren in der Mitte einer Hand zurücklassen?

Die häufigste Konfusion entsteht dadurch, dass man in der Mitte einer Hand nicht weiß, welche Option am sinnvollsten ist. Ebenso wie im Schach will im Limit Hold’em jede Aktion hinsichtlich ihrer Folgen überprüft werden und gut geplant sein. Wenn wir ein gutes Wissen darum besitzen würden, welche Hand sich in welcher Situation am besten und einfachsten spielen lässt, dann hätten wir quasi eine “Schablone” im Kopf (im Englischen sagt man dazu auch “Lines”), mit der uns sehr geholfen wäre. Wer einen solchen Plan in der Tasche hat, kann guten Gewissens eine Karriere als erfolgreicher Limit-Spieler starten. Hierzu möchten wir mit diesem Einstiegsartikel einen Beitrag leisten.

Continuation-Bets

Filed under: Bets — admin @ 10:06 pm

Continuation-Bets sind im Limit Hold’em eine starke Waffe und sollten regelmäßig angewendet werden. In der Regel sehen wir mit nur einem oder zwei Spielern den Flop, nachdem wir preflop erhöht haben. Wenn wir in Position sitzen und der oder die Gegner zu uns gecheckt haben, sollten wir nahezu immer setzen.

Viele Gründe sprechen für regelmäßige Continuation-Bets:

1. Wer vor dem Flop erhöht, signalisiert eine starke Hand. Dadurch gewinnt man häufig die Initiative und die Gegner checken auf dem Flop zum Preflop-Raiser.
2. Die meisten Hände mit denen vor dem Flop, korrekterweise, erhöht wird, sind spekulativer Natur. Wenn ein Spieler auf Zehnertischen mit 11 % seiner Hände erhöht, hat er in den meisten Fällen kein Paar, sondern hohe ungepaarte Karte wie z. B. [Ace] [King] . Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit z. B. [Ace] [King] auf dem Flop ein Paar oder besser trifft, also ein weiteres As oder ein König auf dem Flop auftaucht, beträgt nur 35 %. Das heißt im Umkehrschluss, dass man in 65 % der Fälle lediglich A-high hat.
Folgendes Beispiel:
Ein Spieler erhöht vor dem Flop under-the-gun (UTG) mit AK und wird nur vom Button gecallt. Der Flop bringt 26J. Wenn der UTG-Spieler jetzt checkt, wird der Button in fast 100 % der Fälle setzen und der UTG-Spieler muss entscheiden, ob er mit maximal sechs Outs weiterspielen möchte.
3. Der Gegner hat in der Regel (auch) nichts getroffen.
4. Der Continuation-Bet muss nicht oft funktionieren, um profitabel zu sein.
Beispiel:
Wir erhöhen auf dem Button, nur der Big Blind callt. Am Flop sind viereinhalb Small Bets (0,5 + 2 + 2) im Pot und wir riskieren einen Small Bet, um diesen Pot zu gewinnen.
Das Verhältnis ist also 1:4,5. In diesem Verhältnis muss der Gegner mindestens folden, damit der Continuation-Bet profitabel ist. Um dieses Verhältnis auszurechnen, muss man eins ins Verhältnis setzen zu allen Bets (inklusive unserem eigenen). Der Gesamtpot ist also fünfeinhalb Small Bets groß. Unser Bet macht daran einen Anteil von 1/(Alter Pot + Bet) = 1/(4,5 + 1) = 1/5,5 = 18 % aus. Sobald der Gegner also häufiger als in 18 % der Fälle foldet, erzielen wir einen sofortigen Gewinn.
5. Wir sind nicht durchschaubar: Wer nur setzt, wenn er den Flop getroffen hat oder bereits ein Paar in der Hand hatte, macht es den Gegnern zu einfach.
6. Der Gegner kann eine bessere Hand haben und trotzdem folden. Wenn wir mit [King] [Jack] erhöhen und von einem Gegner mit [King] [Queen] gecallt werden, sind wir in großen Schwierigkeiten, sobald der Flop einen weiteren König bringt. Auf einem Flop von [Ace] [Nine] [Two] hat der Gegner aber ebenfalls nicht getroffen und wird auf einen Conti-Bet hin häufig folden. Dasselbe gilt für kleine Paare, mit denen der Gegner in der Regel keinen einfachen Call hat, sobald zwei oder drei höhere Karten auf dem Flop erscheinen.

Trotz dieser Aufzählung sollte manchmal auf einen Continuation-Bet verzichtet werden. Nämlich immer dann, wenn unser Einsatz keinen positiven Erwartungswert aufweist – wir also glauben, dass unser/e Gegner nicht ausreichend häufig foldet/-n. Das ist besonders dann der Fall, wenn der Flop viele Draws bringt und/oder viele Spieler den Flop gesehen haben. Es hängt also stark von der jeweiligen Situation ab, wann die einzelnen Konzepte anzuwenden sind oder nicht.
Block- und Feeler-Bets sind im Limit nicht anzuwenden, da die Bet-Größen fix sind.

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