Poker – Strategien, Tipps und Tricks

November 11, 2008

Valuebet

Filed under: Bets — admin @ 10:05 pm

Valuebets sind elementare Bestandteile erfolgreichen Pokerspielens im Allgemeinen und ganz besonders in schwierigeren Limit-Partien. Wenn man davon ausgeht, dass ein guter Spieler eine Winrate von ein bis zwei Big Bets pro 100 Händen aufweisen kann, wird schnell klar, dass hier jeder einzelne gewonnene bzw. verlorene Bet schnell Auswirkungen zeigt.
Raise for free Showdown

Ein Konzept, das sich in den Bereich der Valuebets einordnen lässt, ist der „Raise for a free Showdown”.

Dieser Spielzug lässt sich nur in Position und in der Regel nur heads-up anwenden. Wenn wir beim Gegner eine mittelstarke Hand oder einen Draw vermuten, können wir auf dem Turn mit einer ebenso mittelstarken Made Hand erhöhen. Wenn der Gegner callt, checken wir den River (vorausgesetzt, wir verbessern unsere Hand nicht weiter). Dadurch machen wir zum einen Draws teurer (Valuebet) und können häufig schwächere Draws zum Folden bringen. Gleichzeitig geben wir unserem Gegner die Gelegenheit, sogar eine stärkere Hand zu folden.

* Ein Beispiel:
Wir wollen vom Button mit [Ace of hearts] [Six of hearts] stealen, der Small Blind callt. Der Flop bringt uns mit [Queen of clubs] [Six of clubs] [Five of spades] das mittlere Paar und der Gegner setzt. Wenn wir davon ausgehen, dass er hier nicht nur mit einer Dame, sondern auch mit Straßen- und Flushdraws setzen würde, können wir einen ungefährlichen Turn – wie beispielsweise einen Jack – raisen. Callt der Gegner unseren Raise, können wir recht sicher davon ausgehen, dass er eine Dame oder einen der genannten Draws hält. Angenommen, der River ist ein weiteres Blank, werden wir hier ziemlich sicher nur gecallt, wenn wir geschlagen sind (der Gegner hält z. B. die Dame) und wir sollten den River hinterher checken.

Natürlich besteht immer die Gefahr, dass der Gegner unseren Turnraise reraist. Und weil dies in den meisten Fällen auf eine starke Hand hindeutet, sollten wir in der Regel folden. Wenn unser Gegner also so aggressiv spielt, dass er in diesen Situationen häufig einen Draw als Semi-Bluff reraist, sollte lieber eine passive Linie gewählt werden.

Check/Raise

Filed under: Check/Raise — admin @ 10:02 pm

Der Check/Raise ist ein Standardspielzug für jeden Limit-Spieler und kann in vielen Situationen angewendet werden: Sowohl zur Value-Steigerung mit starken Händen als auch als Semi-Bluff mit Draws.

Verteidigen wir unsere Blinds gegen einen Stealraise, sind wir in sämtlichen Postflop-Runden out-of-position. Und so ist unsere erste Postflop-Aktion bei einem vorteilhaften Flop in der Regel ein Check/Raise. Auch wenn preflop ein Spieler mit Position auf uns reraist und wir einen guten Flop treffen, können wir fast immer einen Check/Raise ansetzen.

In beiden Situationen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die meisten Gegner einen Continuation-Bet ansetzen, egal, ob ihnen der Flop gefällt oder nicht.

Auf Boards, auf denen viele Draws möglich sind, sollte das erhöhte Value, das mit einem erfolgreichen Check/Raise erzielbar ist, mit dem entgangenen Value durch eventuell gewährte Freecards abgewogen werden.

Slow play

Filed under: Slow play — admin @ 10:00 pm

In aggressiven Limit-Partien ist es selten notwendig, seine starken Hände mit einem Slow Play zu tarnen. Wie im Made-Hands-Artikel bereits angesprochen kann es vorteilhaft sein, mit dem Raise bis zum Turn zu warten, wo sich die Bet-Größen im Vergleich zum Flop verdoppeln. In der Regel sollten aber starke Hände von Beginn an stark gespielt werden.

Preflop sollte komplett auf Slow Plays verzichtet werden.

Bluff

Filed under: Bluffs — admin @ 9:59 pm

Anders als beim Semi-Bluff haben wir beim reinen Bluff keine Outs, die uns die beste Hand bringen können, falls wir gecallt werden. Hier geht es also ausschließlich darum, den oder die Gegner zum Folden der besten Hand zu bewegen. Dadurch, dass wir keine Outs haben, wenn wir gecallt werden, müssen die Gegner in Vergleich zu einem Semi-Bluff deutlich häufiger folden, um diesen Spielzug profitabel zu machen.

Dennoch ist es so, dass man durch einen Bluff mit dem Einsatz von ein oder zwei Bets den gesamten Pot gewinnen kann. Wenn also vier Big Bets im Pot sind und wir einen Bet in einen Bluff investieren, reicht es, wenn der Gegner in 20 % der Fälle eine bessere Hand foldet.

Weil unsere Gegner das aber in der Regel ebenfalls wissen, wird im Limit Hold’em recht selten in großen und mittelgroßen Pots gefoldet, denn der Gegner im obigen Beispiel muss einen Big Bet für einen Pot mit fünf Big Bets callen, es reicht ihm also, wenn er in 16,6 % der Fälle die bessere Hand hat.

Semi-Bluffs

Filed under: Bluffs — admin @ 9:58 pm

Wenn wir einen Draw wie einen OESD oder Flushdraw halten, können wir uns entscheiden, diesen aggressiv zu spielen. Das eröffnet uns die Möglichkeit, die Hand bereits zu gewinnen, bevor die nächste Karte gegeben wird. Als Alternative gewinnen wir die Hand vermutlich, wenn sich unser Draw realisiert.

Besonders in Heads-Up-Pots kann man Semi-Bluffs häufig anwenden, da nur ein Gegner zur Aufgabe seiner Hand bewegt werden muss. Und die Erfolgswahrscheinlichkeit steigt natürlich zusätzlich, wenn wir bei unserem Gegner eine lediglich schwache Hand vermuten.

Neben dem Umstand, Pots eventuell ohne Showdown gewinnen zu können, bietet der Semi-Bluff einen weiteren Vorteil: Wir werden für unsere Gegner schwerer lesbar. Wenn wir nur mit starken Händen raisen, können aufmerksame Gegner dieses Muster recht schnell erkennen und sich auf unser Spiel einstellen. Das wollen wir aber vermeiden und Moves wie ein Semi-Bluff helfen dabei.

Generell sollten Semi-Bluffs gegen Spieler, die (zu) häufig zum Showdown gehen, seltener eingesetzt werden als gegen tighte Spieler, die (zu) viel folden.

Je nach unserer Position gibt es verschiedene Möglichkeiten zum Semi-Bluffen (Flop und Turn). In Position können wir

* den Flop setzen bzw. erhöhen und den Turn setzen, nachdem der Gegner zu uns gecheckt hat,
* einen Flopbet callen und den Turn dann raisen.

Außer Position haben wir drei Möglichkeiten:

* Den Flop setzen bzw. reraisen und Turn setzen.
* Einen Flopbet callen und den Turn checkraisen.
* Einen Flopbet callen und den Turn setzen.

Diese verschiedenen Linien sollten variiert werden, jedoch ist es von Vorteil, wenn die Betting-Lines, bei denen viel Action auf dem Flop stattfindet, mit starken Draws (also vielen Outs wie z. B. einem Flushdraw plus Overcards) gespielt werden. In solchen Situationen kann es sogar vorkommen, dass wir gar keinen echten Semi-Bluff mehr spielen, da wir manchmal sogar Favorit gegen die Hand des Gegners sind. Auch wenn das Setzverhalten gleich ist, würde es sich dann formal um einen Valuebet handeln.

Natürlich können wir auch auf dem Flop semi-bluffen. Ein Beispiel dafür wäre das Freecardplay aus dem Draw-Artikel (siehe auch FLTH Advanced: Draws). Weil die Gegner in der Regel auf dem Flop aber oft für einen Small Bet callen, sollte die Fold Equity eines Raises am Flop nicht überschätzt werden. Andererseits kostet uns ein Semi-Bluff auf dem Flop auch einen Small Bet weniger als auf dem Turn und muss entsprechend seltener erfolgreich sein, um einen Profit zu zeigen.

* Beispiel:
Gehen wir von folgender Situation auf dem Flop aus: Ein Gegner in mittlerer Position callt, der Small Blind callt und wir checken mit einer Hand wie [Five of hearts] [Four of hearts] im Big Blind. Der Flop bringt [Ace of hearts] [Four of spades] [Nine of diamonds] und wir treffen ein Paar und einen Backdoor-Flushdraw. Es ist durchaus möglich, dass wir hier die beste Hand halten. Keiner der Gegner hat vor dem Flop erhöht und somit ist es unwahrscheinlich, dass einer der beiden ein As hält. Der Pot ist klein und somit besteht die Chance, dass die Gegner eine bessere Hand, in diesem Fall [Nine] [Card] oder [Five] [Five] bis [Eight] [Eight] , folden, sollten wir ansetzen. Wenn wir dennoch gecallt werden, ist es recht wahrscheinlich, dass wir momentan geschlagen sind, haben aber bis zu fünf Outs.
* Noch ein Beispiel:
Wir versuchen die Blinds mit [King of hearts] [Ten of hearts] vom Button aus zu stehlen, beide Blinds callen allerdings. Der Flop kommt [Ace of hearts] [Ten of clubs] [Two of diamonds] und der Smallblind setzt an. Der Bigblind foldet und wir entscheiden uns zu callen (angemerkt sei, dass man hier auch Argumente finden kann, die für einen Raise oder einen Fold auf dem Flop sprechen).
Der Turn ist die [Three of hearts] und wir haben nun zusätzlich zu unserem Paar Zehnen noch den Nutflushdraw. Der Smallblind setzt und wir sind uns sicher, dass er eine Hand hält, die unser Paar Zehnen schlägt.

Ein wenig Mathe…

… zum vorangehenden Beispiel. Es sind momentan fünf Big Bets im Pot (6 x Small Bets preflop (da geraist) + 2 x Small Bets auf dem Flop + 1 x Big Bet auf dem Turn = 10 Small Bets = 5 Big Bets), mit unseren neun klaren und bis zu fünf zusätzlichen Outs für die Paare können wir hier profitabel callen. Wenn wir mit elf Outs rechnen und weiter davon ausgehen, dass der Gegner auf dem River mit seiner vermuteten mittelstarken Hand Check/Call spielen wird, ergibt sich:

* EV(Call) = 0,23 x (6 + 1) – 0,77 x 1 = 0,84 Big Bets

0,23 (= 23 %) ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir eines unserer Outs treffen ((11 Outs x 2) + 1). Dann gehen wir davon aus, dass wir den bisherigen Pot (zu dem wir dann unseren Call hinzuzählen müssen) gewinnen, und zusätzlich einen weiteren Big Bet des Gegners (Implied Odds). In den anderen Fällen (Gegenereignis = 1 – 0,23 = 0,77 = 77 %) verlieren wir einen Big Bet (den Call am Turn).

Wir gewinnen mit diesem Turncall und einem Riverbet, sollten wir unseren Draw treffen, also im Schnitt 0,84 Big Bets. Manchmal wird unser Gegner auch Bet/Call oder Bet/Fold spielen, wenn wir treffen. Das liegt an unserer besseren Position. Dafür folden wir aber auch hin und wieder die beste Hand mit unserem Paar Zehnen gegen einen Riverbet, sollte unser Draw nicht kommen und unsere Einschätzung falsch sein, der Gegner könne unser Paar schlagen. Gehen wir also davon aus, dass durchschnittlich je ein Bet von uns und dem Gegner in den Pot gehen wird, sollten wir auf der sicheren Seite sein.

Wollen wir nun berechnen, wie hoch der Erwartungswert eines Raise ist, müssen wir zunächst wieder einige Annahmen treffen:

* Wenn der Small Blind unseren Turnraise callt, ist seine Hand stark genug, um auch einen Riverbet zu callen.
* Wenn wir keines unserer Outs treffen, verlieren wir.
* Wenn wir aber treffen, gewinnen wir einen weiteren Einsatz auf dem River.

Damit ergibt sich folgende Rechnung:

* EV(Raise) = 0,23 x (8 + 1) – 0,77 x 2 = 0,53 Big Bets

Hier haben wir also auf dem Turn bereits acht Big Bets im Pot (4 Big Bets vor dem Turn + 1 Turnbet des Gegners + 2 Big Bets von uns (Raise) + 1 Big-Bet-Call des Gegners). Unsere Implied Odds, sollten wir unseren Draw bekommen, sind wieder ein Big Bet (Check/Call des Gegners). Unser Risiko ist allerdings etwas höher, nämlich zwei Big Bets durch unseren Raise.

In der Rechnung gehen wir aber davon aus, dass der Small Blind immer callt. Sollte das der Fall sein, sinkt unser Erwartungswert durch den Semi-Bluff um 0,31 Big Bets. Das ist auch verständlich, denn die Bluff-Komponente des Semi-Bluffs wäre dann wertlos und hätte keinen (positiven) Einfluss auf den EV. Unser Raise kann also nur besser sein als ein reiner Call am Turn, wenn der Gegner hin und wieder eine Hand weglegt, die uns schlagen könnte, sollte unser Draw nicht eintreffen.

Wie können wir berechnen, wie oft der Gegner bessere Hände (als ein Paar Zehnen) folden muss, damit der Semibluff genauso profitabel ist wie ein Call? Dazu nehmen wir den EV(Call) und setzen diesen gleich mit dem EV(Semi-Bluff), wobei dieser sich berechent aus dem EV(Call), ergänzt um eine Fold-Komponente. Im Fall eines Folds würden wir fünf Big Bets (Pot nach dem Flop + Turnbet des Gegners) gewinnen, und das in der Häufigkeit, in der der Small Blind aufgibt.

Damit ergibt sich:

* EV(Semi-Bluff) = EV(Raise) + X x 5 = 0,53 + X x 5

Wenn EV(Call) < EV(Semi-Bluff), dann ist ein Semi-Bluff profitabel.

* EV(Call) < EV(Semi-Bluff)
0,84 < 0,53 + X x 5
0,31 < X x 5
0,31/5 < X
0,062 < X

Unser Gegner muss also lediglich häufiger als in 6,2 % der Fälle gegen unseren Turnraise folden, damit dieser profitabler ist als ein einfacher Turncall.

Es ist natürlich möglich, dass der Gegner eine sehr starke Hand hält und unseren Turnraise nochmal erhöht. In diesem Fall machen wir unseren Draw unnötig teuer, denn wir zahlen auf dem Turn drei anstatt einen Big Bet und haben gleichzeitig keine Fold Equity, da der Gegner eine solche Hand nie aufgeben würde.

Semi-Bluffs sollten also hauptsächlich dann eingesetzt werden, wenn man eine Chance sieht, dass der Gegner eine bessere Hand foldet und vermutet, dass die Hand des Gegners nicht zu stark ist. Gegner, die häufig zum Showdown gehen, sind also keine geeigneten Ziele, genauso wenig wie sehr aggressive Gegner, die uns mit vielen Händen auf dem Turn reraisen.

Draws

Filed under: Draws — admin @ 9:57 pm

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Spielen von Draws. Besonders Flush- und Straighdraws sind wertvolle Hände, denn wenn wir den Draw treffen, gibt uns das in den meisten Fällen die beste Hand. Um das Maximum aus diesen Händen herauszuholen, müssen je nach Situation verschiedene Spiellinien angewendet werden. Demnach ist es manchmal korrekt, den Draw passiv zu spielen, und manchmal sollte aggressiv gespielt werden.
Flushdraws

Wenn wir beliebige Karten einer Farbe halten, floppen wir in ca. 11 % der Fälle einen Flushdraw und dieser kommt in 35 % der Fälle bis zum River an. Und mit einem solchen Draw bekommen wir am Flop fast immer die richtigen Odds geboten, um weiterzuspielen.
Wie wir den Draw aber spielen, hängt von der Stärke unseres Draws, der Position, der Board-Textur und der Anzahl und Spielweise unserer Gegner in der Hand ab. Also, wie so oft im Pokerleben: Es kommt darauf an.
Als erstes betrachten wir Situationen, in denen wir nur einen blanken Flushdraw haben und keine zusätzlichen Outs durch Overcards, Paare oder Straightdraws.
Stärke des Draws

* Draw auf die Nuts: [King of hearts] [Ten of hearts] auf einem [Ace of hearts] [Five of hearts] [Six of clubs] -Flop
* Draw auf die vermutlichen Nuts: [King of hearts] [Ten of hearts] auf einem [Nine of hearts] [Five of hearts] [Six of spades] -Flop
* Draw auf eine mittelstarken Flush: [Jack of hearts] [Ten of hearts] auf einem [Nine of hearts] [Five of hearts] [Six of spades] -Flop
* Zweifelhafte Draws: [Four of hearts] [Two of hearts] auf einem einem [Nine of hearts] [Five of hearts] [Five of clubs] -Flop gegen viele Gegner
* Wenn wir nur eine unserer Holecards für den Draw nutzen, sollte in der Regel nur gedrawt werden, wenn wir die Chance auf einen der zwei bestmöglichen Flushs haben. So ist [Ace of hearts] [Ten of diamonds] auf einem [Queen of hearts] [Five of hearts] [Six of hearts] -Flop spielbar, [Jack of hearts] [Jack of diamonds] auf dem gleichen Flop eher nicht.

Position

* In der Regel wollen wir mit reinen Flushdraws möglichst viele Gegner in der Hand behalten, um unsere Odds zu verbessern. Wenn wir nichts zu beschützen haben (Overcards, Paare etc.), können wir keinen Vorteil daraus ziehen, einen Teil unserer Gegner aus dem Pot herauszudrücken. Also sollten wir in früher Position diese Hände meistens checken, denn wenn wir setzen, könnte das einige Spieler zum Folden bewegen. Noch schlimmer wird es, wenn wir setzen und ein Spieler nach uns erhöht, denn dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die verbleibenden Gegner folden. Nicht das, was wir mit einer spekulativen Hand wünschen.
* Sobald wir gegen mehrere Gegner spielen, können wir aber in Position auch „for value” erhöhen. Siehe Abschnitt „Raise for Value”
* Auch gegen nur einen oder zwei Gegner kann es richtig sein, auf dem Flop in Position zu erhöhen, um sich so eine freie Karte auf dem Turn zu kaufen (siehe „Freecard”).
* In später Position haben wir also deutlich mehr Optionen, unser Spiel optimal auf die Gegner einzustellen.

Wenn wir neben den Flush-outs noch weitere Möglichkeiten haben, unsere Hand zu verbessern, wird der Draw entsprechend stärker. Mit [Ace of hearts] [King of hearts] auf einem [Three of hearts] [Seven of hearts] [Queen of diamonds] -Board könnten wir z. B. zusätzlich zu den neun Flush-outs bis zu sechs weitere für die Overcards haben. Die bestmöglichen Draws sind entsprechend Openended-Straight-Flush-Draws mit Overcards. Beispielsweise [King of hearts] [Queen of hearts] auf einem [Jack of hearts] [Ten of hearts] [Three of diamonds] -Flop hat bis zu 21 Outs (neun Herzen, sechs Karten für die Straße und je drei Könige und Damen). Da wir bereits mit 14 Outs auf dem Flop Favorit sind, bis zum River die beste Hand zu bekommen (Faustregel (14 x 4) – 1 = 55 %), wird schnell klar, wie stark solche kombinierten Draws sind.

Mit diesen starken Draws sollten wir also offensichtlich möglichst viel Geld in den Pot bekommen, also den Flop aggressiv spielen und meist setzen oder erhöhen. Eine Ausnahme hiervon bietet sich an, wenn unser aggressives Spiel viele der Gegner vertreiben würde und der Pot noch klein ist. In bereits großen Pots ist diese Gefahr hingegen geringer.
In manchen Fällen kann es vorteilhafter sein, Gegner aus dem Pot zu vertreiben. So z. B., wenn wir unsere Overcards schützen wollen oder Gegner loswerden möchten, die ebenfalls einen Draw haben. Bei starken Draws ist das jedoch weniger wichtig als bei schwächeren.
Straightdraws

Auch Straightdraws sind in der Regel starke Hände, mit denen man häufig bis zum River gehen wird. Das gilt insbesondere für Openended-Straight-Draws (OESD), die sich aus beiden unserer Holecards ergeben. Also Hände wie [Jack of hearts] [Ten of hearts] auf einem Flop von [Nine of diamonds] [Eight of clubs] [Ace of spades] . Hier hat man acht Outs und der Draw kommt bis zum River in ca. 32 % der Fälle an.

Im Vergleich zu Flushdraws sind Straightdraws ein wenig anders zu betrachten. Man hat weniger Outs (nur acht im Gegensatz zu neun bei einem Flushdraw) und man hat, sollte man treffen, eine schwächere Hand. So wird eine Straße von einem Flush geschlagen und die Hand kann leichter als ein Flush durch unglückliche Turn- und/oder Riverkarten counterfeitet werden. Die Turnkarte kann z. B. einen Backdoor-Flushdraw oder eine unserer Holecards bringen, mit denen sich der Wert unserer Hand deutlich ändert, denn nun könnte der Gegner zu einer besseren Straße drawen.

* Schauen wir uns das vorhergehende Beispiel nochmal an:
Wir halten [Jack of hearts] [Ten of hearts] auf einem Flop von [Nine of diamonds] [Eight of clubs] [Ace of spades] . Wenn nun die Turnkarte ein [Ten of diamonds] ist, haben wir zwar ein Paar, aber wir sind nach wie vor gegen [Ace] hinten, müssen nun [Queen] [Jack] fürchten (die bereits eine fertige Straße hätten), stehen eventuell auch gegen einen Flushdraw und können selbst mit Two Pair verlieren, sollte auf dem River ein [Jack] kommen und unser Gegner eine [Queen] halten.

Ein Vorteil gegenüber Flushdraws ist jedoch, dass der Straightdraw weniger offensichtlich ist und man leichter zusätzliche Bets gewinnen kann.
Starke Straightdraws, also insbesondere OESDs auf Rainbowflops mit acht oder mehr Outs durch weitere Draws, kann man prinzipiell auf die gleiche Weise wie Flushdraws spielen und es gelten die gleichen Konzepte.

Anders sieht es bei schwächeren Straightdraws wie z. B. Gutshot-Draws (wir halten beispielsweise [Queen] [Jack] und der Flop liegt [Ace] [Ten] [Two] ) oder OESDs aus, bei denen nur eine der Holecards genutzt wird (wir halten z.B. [Ace of spades] [Nine of spades] und der Flop ist [Ten of hearts] [Eight of clubs] [Seven of diamonds] ). Bei Gutshot-Draws haben wir vier Outs und bekommen meistens nur gegen viele Gegner und in Pots, die vor dem Flop erhöht wurden, die korrekten Odds, um den Turn sehen zu können. Je nach Art des Gutshot-Draws können wir hier aber gute Implied Odds bekommen, denn eine Hand wie [Nine] [Seven] auf einem [Ace] [Ten] [Six] [Eight] -Board ist für die Gegner schwer zu erkennen. Deutlich weniger Implied Odds haben dagegen Hände wie [King] [Ten] auf einem [Nine] [Eight] [Seven] -Flop. Hier ist die Straße recht offensichtlich, wenn ein [Jack] oder eine [Six] erscheint.

OESDs mit nur einer Holecard sollten meist nur gespielt werden, wenn wir das obere Ende der Straße halten: auf einem [Nine] [Eight] [Seven] -Flop sind Draws mit der [Ten] deutlich stärker als Draws mit einer [Six] .
Sämtliche Arten von Straightdraws sind auf monotonen Flops normalerweise kaum spielbar. Das gilt insbesondere gegen viele Gegner.
Sonstige Draws

Neben den Flush- und OESD-Draws gibt es weitere Draws, die in der richtigen Situation spielbar sind. Dazu zählen Overcards und Kombinationen aus kleinen Paaren und weiterem Potential der Hand. [Ace] [Five] auf einem [King] [Five] [Two] -Flop ist ein gutes Beispiel. Hier gilt es, seine Outs korrekt zu zählen und entsprechend der Odds zu spielen. Siehe hierzu auch den Abschnitt „Outs zählen”.

Oft kann es richtig sein, sich mit Backdoor-Draws die Turnkarte anzusehen. Besonders wenn der Pot recht groß und die Turnkarte gleichzeitig günstig ist. Ein Backdoor-Draw allein ist ca. 1,5 Outs wert und somit selten genug, um die Hand weiterspielen zu können. Wenn unsere Hand zusätzlich noch andere Möglichkeiten wie z. B. eine Overcard hat, kann der Backdoor-Draw genug zusätzlichen Wert bringen, um einen Flopbet callen zu können.
Raise for Value

Wenn wir auf dem Flop einen nackten Flushdraw halten, kommt dieser in rund 35 % der Fälle bis zum River an. Unsere Equity am Pot beträgt also eben diese 35 %, vorausgesetzt, wir gewinnen jedes Mal, wenn unsere Draws tatsächlich kommen. Auf Flops mit Paaren oder wenn wir gegen Sets oder Two-Pair-Hände spielen, sinkt unsere Equity. Wenn wir nun also gegen zwei Gegner spielen und wissen, dass unser Draw in rund einem Drittel der Fälle ankommt, ist es „egal”, ob wir callen oder raisen. Vorausgesetzt, die beiden Gegner gehen unsere Einsätze mit und unsere Einsätze haben keinen Einfluss auf die Entscheidung der Gegner, die Hand auf dem Turn oder River zu folden.

* Beispiel:
Wir erhöhen mit [King of hearts] [Ten of hearts] auf dem Button, beide Blinds callen. Der Flop ist [Ace of hearts] [Two of hearts] [Eight of diamonds] und bringt uns den Nutflushdraw. Der SB setzt und der BB called. Wir gehen davon aus, dass beide Gegner eine Hand wie [Ace] [Card] haben und stets zum Showdown gehen werden. In dieser Situation hat es keinen Einfluss auf den Erwartungswert der Hand, ob wir callen oder raisen. Denn von jedem Einsatz, der auf dem Flop in den Pot geht, gehört uns ein Drittel und wir zahlen gegen zwei Gegner genau dieses Drittel. Vom Geld das bereits im Pot ist, gewinnen wir zusätzlich im Durchschnitt ebenso dieses Drittel.

Auch wenn wir gegen drei oder mehr Gegner spielen, bleibt die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Hand bis zum River kommt, bei 35 %. Wir müssen aber nicht mehr als 33 % vom Pot selbst zahlen, sondern gegen drei Gegner nur noch ein Viertel (25 %), gegen vier ein Fünftel (20 %) usw. Wir zahlen also weniger in den Pot ein, als uns von der Equity her zusteht. In diesen Situationen erhöht sich unser Erwartungswert also, je mehr Geld wir auf dem Flop in den Pot bekommen.
Freecard

Wer setzt oder erhöht, zeigt Stärke, und so wird oftmals zu dem Spieler gecheckt, der in der vorigen Runde erhöht hat. Sei es, um ihn zu check-raisen oder weil man Angst vor der gezeigten Stärke hat.
Diesen Umstand können wir uns häufig zunutze machen, indem wir in Position auf dem Flop raisen und dann auf dem Turn, wenn alle zu uns checken, ebenfalls hinterher checken. Wenn wir auf dem Flop einen Draw haben, mit dem wir sowohl Turn- als auch River-Karte sehen wollen, kostet uns das normalerweise drei kleine Bets: einen auf dem Flop und zwei (= einen Big Bet) auf dem Turn. Natürlich immer vorausgesetzt, dass wir nur einen einzelnen Bet callen müssen.

* Beispiel:
Ein Spieler in früher Position limpt, wir limpen mit [Jack of hearts] [Ten of hearts] in später Position, der Big Blind checkt. Auf einem Flop von [King of diamonds] [Queen of clubs] [Three of spades] setzt der Big Blind an, der Spieler in früher Position callt und wir glauben, dass beide Gegner eine Hand wie ein Paar Könige oder Damen haben und diese weder folden noch reraisen werden. Wir haben einen OESD und im Pot sind 5,5 Small Bets und wir könnten callen. Alternativ können wir hier aber auch erhöhen und uns so die River-Karte für nur zwei kleine Bets sehen und auf diese Weise einen kleinen Bet sparen, wenn unser Draw nicht auf dem Turn kommt.

Besonders gut funktioniert dieser Spielzug offensichtlich gegen passive Gegner, die mit fast allen Händen checken nachdem sie geraist wurden. Gegen solche Gegner können wir das Freecard-Play fast immer anwenden, wenn wir einen Draw haben, mit dem wir profitabel eine Karte für einen kleinen Bet sehen können. Denn wenn es profitabel ist, eine Karte für einen kleinen Bet zu sehen, dann lohnt es sich fast immer, zwei Karten für zwei kleine Bets zu sehen.

Wenn der Spieler, der vor uns gesetzt hat, eher von der aggressiven Sorte ist, sollte das Freecard-Play vorsichtiger eingesetzt werden. Hier ist die Gefahr höher, dass wir anstatt zwei oder drei kleiner Bets vier zahlen müssen, wenn der Gegner ein weiteres Mal erhöht und auch den Turn setzt. Gegen aggressive Gegner sollte dieser Spielzug also nur eingesetzt werden, wenn uns eine Reraise nicht zu sehr schmerzen würde – also mit starken Draws.

Es gibt auch Situationen, in denen es ratsam ist, die Möglichkeit einer freien Karte nicht zu nutzen. Und zwar, wenn wir eine Möglichkeit sehen, dass wir den Pot mit einem Turnbet gewinnen können. Das funktioniert jedoch nur gegen wenige Gegner, bei denen wir zusätzlich schwache Hände vermuten. Es gilt also stets, zwischen den Vorzügen des kostenlosen Draws und der durch unsere gezeigte Stärke aufgebauten Fold Equity abzuwägen.
Outs zählen

Das Schwierigste beim Spielen von Draws aller Art ist es, seine Outs richtig zu zählen. Auf dieses Thema sind wir ja schon speziell mit dem Artikel und Video zu „Odds, Outs und Wahrscheinlichkeiten” eingegangen. Oftmals gibt es neben den offensichtlichen Outs auf die Nuts noch weitere, mit denen wir die Hand gewinnen können.

* Beispiele:
Eine Hand wie [Queen of hearts] [Ten of hearts] auf einem Flop von [Jack of spades] [Nine of spades] [Ace of clubs] hat je nach Hand des Gegners sehr viele bis zu sehr wenige Outs. Im schlechtesten Fall hält der Gegner [King of spades] [Queen of spades] und wir haben bis auf drei Könige und drei Achten keine Chance, mit der Hand zu gewinnen. Hat der Gegner aber nur ein Paar Neunen mit beispielsweise den Pocket-Karten [Nine of clubs] [Seven of clubs] getroffen, helfen uns neben den acht offensichtlichen Outs für die Straße auch noch alle Damen und Zehnen. Wir haben also insgesamt 14 Outs.
[Ace of hearts] [King of hearts] auf einem Flop von [Seven of clubs] [Eight of spades] [Eight of diamonds] hat zwischen null (der Gegner hat eine Acht oder besser) und neun Outs (Gegner hält ein Pocketpair kleiner als [Seven] [Seven] ).

An diesen Beispielen wird deutlich, dass die Anzahl unserer Outs maßgeblich von der Hand des Gegners abhängig ist. Wir müssen also neben unserer eigenen Hand und dem Board auch immer die möglichen Hände des Gegners in unsere Rechnung einbeziehen. Besonders gilt dies für Draws auf weniger starke Hände wie z. B. Overcards.

Made Hands

Filed under: Made hands — admin @ 9:56 pm

Wenn man auf dem Flop eine starke Hand hält und gleichzeitig vermutet, dass der oder die Gegner schwächere Hände halten, gilt es, zwei Ziele zu verfolgen:

1. Das Maximum aus der Hand herauszuholen und
2. die Hand gegen Draws zu schützen.

Als Erstes gilt es zu bewerten, wie stark und wie verwundbar die eigene Hand ist. Eine Hand wie Toppaar mit Top Kicker (TPTK) gibt es in verschieden starken Ausprägungen. Ein Toppaar mit [Ace] [King] auf einem Flop [King] [Two] [Seven] ist deutlich wertvoller als ein Toppaar mit [Ace] [Seven] auf einem [Seven] [Two] [Three] -Flop. Auch wird die Stärke der eigenen Hand maßgeblich durch die Struktur des Boards beeinflusst. Eine Hand wie [Ace of hearts] [King of hearts] wird auf einem Flop von [King of clubs] [Two of diamonds] [Seven of spades] normalerweise schwerer überholt als auf einem Flop von [King of clubs] [Queen of clubs] [Ten of spades] . Obwohl wir in beiden Fällen das Toppaar mit Top Kicker halten, ist die Hand im ersten Fall deutlich wertvoller.

Hier wird deutlich, dass es kaum generelle und immer gültige Anweisungen für das Spielen von bestimmten Händen geben kann. Es gilt die meistgebrauchte Aussage beim Pokern: Es kommt drauf an.
Zum Beispiel muss die Anzahl der Gegner betrachtet werden. Nehmen wir an, wir befinden uns in einem Blindbattle, sind also Heads-up mit nur einem Gegner in den Blinds. Nun steigt der Wert von kleinen Paaren und sogar Ace-high deutlich an. Entsprechend sind diese Hände in Multiway-Pots signifikant schwächer und äußerst selten die stärkste Hand am Showdown.
Multiway

Wenn der Pot groß ist und wir vermuten, die beste Hand zu halten, wollen wir in der Regel versuchen, möglichst viele Gegner aus der Hand zu drängen. Und wenn uns dies nicht gelingt, sollten wir zumindest versuchen, die nächste Karte so teuer wie möglich zu machen, damit die Gegner schwache Draws nicht mehr profitabel callen können und somit Fehler begehen, wenn sie dennoch in der Hand bleiben. Dieses Ziel können wir in den meisten Fällen durch eine aggressive Spielweise erreichen, also durch Setzen und Erhöhen, sobald wir dazu die Gelegenheit haben. Aber abhängig von unserer Position gibt es hier Ausnahmen.

* Zwei Beispiele:
o Wir halten [Ace] [Two] im Big Blind, ein Spieler in mittlerer Position und der Small Blind callen. Der Flop bringt uns mit [Ace] [Ten] [Six] Toppaar mit schwachem Kicker. Der Small Blind checkt und wir können setzen oder checken. Wenn wir nun davon ausgehen, die beste Hand zu halten, sollten wir setzen. Hält der Spieler in mittlerer Position z. B. einen Gutshot-Draw mit [Eight] [Seven] , macht er einen Fehler, wenn er unseren Bet callt. Hier können wir unserer Hand also einfach mit einem Bet schützen.
o Schwieriger wird es, wenn wir uns gegen die gleiche Hand schützen wollen, der Pot aber bereits größer ist: Zwei Spieler in mittlerer Position callen, genauso wie der Cut-off, der Button erhöht und wir callen im Big Blind mit [Six] [Six] . Auf dem gleichen Flop von [Ace] [Ten] [Six] floppen wir ein Set. Wenn wir nun einfach den Flop setzen, sind 10,5 kleine Einsätze im Pot und wenn der Spieler in MP wieder einen Gutshot-Draw hält, kann er hier mit seinen vier Outs profitabel callen. Einfaches Setzen schützt unsere Hand also nicht. Eine Möglichkeit, unser Set dennoch gegen einen Gutshotdraw zu schützen ist es, unsere gute relative Position zum Preflop-Raiser auszunutzen. Es ist wahrscheinlich, dass der Button setzt, wenn die verbliebenen Spieler zu ihm checken. Danach sind wir an der Reihe und können diesen Bet erhöhen und somit den Rest des Feldes mit zwei Bets konfrontieren. Mit einem Gutshot-Draw kann somit nicht mehr profitabel gecallt werden.

Hier wird auch deutlich, dass es nicht immer möglich ist, eine Hand auf dem Flop gegen einen Draw zu schützen. Das gilt insbesondere in großen Pots und gegen starke Draws. Als Faustregel kann man also festhalten, dass man besonders in großen Pots mit Made Hands setzen bzw. erhöhen sollte, um seine Hand zu schützen oder alternativ folden sollte. Callen ist mit Made Hands selten die korrekte Option.
Gegen wenige Gegner (zwei bis drei Spieler auf dem Flop)

Mit einer geringeren Zahl von Gegnern sinkt auch die Notwendigkeit, seine Made Hand zu schützen, denn weniger Gegner haben im Schnitt weniger Outs gegen uns. Auch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass schwächere Hände wie einzelne Paare am Showdown gewinnen, und gleichzeitig werden unsere Gegner in Pots mit weniger Spielern eher bereit sein, auch ihre schwachen Hände zum Showdown zu führen.
Daraus folgt, dass es sich gegen wenige Gegner eher lohnt, einen größeren Pot aufzubauen. Man kann z. B. mit starken Händen wie Toppaar auf dem Flop nur callen, um dann auf dem Turn zu erhöhen.

* Wenn wir mit [King of hearts] [Ten of clubs] unseren Big Blind gegen einen Steal-Versuch vom Button verteidigen und auf dem Flop mit [King] [Jack] [Three] das Toppaar treffen, kann es vorteilhaft sein, einen Continuation-Bet des Buttons nur zu callen mit dem Plan, auf dem Turn einen Checkraise anzubringen.
* Eine weitere Situation, in der es vorteilhaft sein kann, seine Aggression für den Turn aufzusparen, tritt z. B. dann ein, wenn wir mit [Ace of hearts] [Queen of hearts] in späterer Position erhöhen und nur ein Spieler aus den Blinds callt, der anschließend auf einem A-high-Flop in uns hineinsetzt. Wenn wir glauben, dass er hier oftmals ein As mit einem schlechteren Kicker hält, damit aber stets zum Showdown geht, können wir seinen Flopbet nur callen und seinen zu erwartenden Bet auf dem Turn dann raisen.

Die Gefahr in beiden Beispielen ist natürlich, dass unser Gegner eine starke Hand wie Two Pair oder ein Set hält, uns auf dem Turn reraist und wir vor der schwierigen Entscheidung stehen, eine recht starke Hand (in einem durch unseren Checkraise bzw. seinen Reraise aufgebauten Pot) zu folden oder zwei weiter Bets für den Showdown zu zahlen.

Das soll aber nicht heißen, dass wir nun jedes Mal gegen einen oder zwei Gegner standardmäßig Freecards gewähren sollten. Sobald wir glauben, dass die Handrange der Gegner viele Draws beinhaltet, sollten wir stets versuchen, diese Draws so teuer wie möglich zu machen.

Es ist jedoch nicht sinnvoll, diesen Spielzug jedes (!) Mal anzuwenden, wenn man eine Hand wie TPTK hält. Denn immer, wenn man die gleiche Art von Händen stets auf dieselbe Weise spielt, wird man für aufmerksame Gegner schnell durchschaubar.
Exkurs 1

Generell ist es wichtig, nicht zu durchschaubar zu sein. Wir gehen zunächst davon aus, dass unsere Gegner im Advanced-Bereich durchschnittlich besser werden. Und eine Fähigkeit, die bessere Gegner auszeichnet, ist eben die, seine Gegner aufmerksam zu beobachten. Wenn wir also nur mit Sets und Two-Pair-Händen am Turn raisen oder checkraisen würden, würden wir selten von diesen Gegnern ausbezahlt. Wenn sie allerdings wissen, dass wir auch mittelstarke Hände und einige Draws auf dem Turn raisen, fällt es ihnen deutlich schwerer, korrekt gegen uns zu spielen.

Wenn wir eine mittelstarke Made Hand halten und unser Gegner überraschend aktiv wird und erhöht oder checkraist, dann haben wir regelmäßig schwierige Entscheidungen zu fällen. Das Problem ist, dass wir nun nicht mehr generell davon ausgehen können, dass wir gegen eine sehr starke Hand spielen. Denn viele bessere Gegner spielen hier (korrekterweise!) Hände ganz unterschiedlicher Stärke aggressiv. Entsprechend kann hier keine generelle Regel geliefert werden, welche Strategie die gewinnbringendste ist. Es kommt also mal wieder darauf an. Ganz allgemein sollte gegen aggressive Gegner häufiger zum Showdown „runtergecallt” werden, als gegen sehr passive Spieler.

Auch die Potodds helfen hier weiter:

* In einer typischen Situation an einem FL-2/4-Tisch eröffnen wir [Ace of spades] [Ten of diamonds] auf dem Button mit einer Erhöhung und der Big Blind callt. Es sind $9 im Pot. Der Flop bringt uns mit [Ace of diamonds] [Three of clubs] [Eight of hearts] Toppaar. Wir setzen und der Big Blind callt. Auf dem Turn fällt die [Six of spades] und nachdem der Big Blind erneut gecheckt hat, setzen wir ein weiteres Mal. Es sind nun $17 im Pot. Jetzt checkraist uns der Big blind aber, was den Pot auf $25 vergrößert. Wir können davon ausgehen, dass der Big Blind auch auf dem River setzen wird, wenn wir seinen Checkraise auf dem Turn callen. Wir müssten also $8 zahlen um einen Showdown in dem Pot, der am River $36 (Preflop 9 + Flop 4 + Turn 16 + River 8) groß sein wird, zu sehen. Unsere Potodds betragen somit 37:8, also etwas schlechter als 4:1 und unsere Hand muss rund 20 % der Showdowns gewinnen, um den Call-down profitabel zu machen.

Ob wir in 20 % der Fälle in der beschriebenen Situation vorn liegen, hängt entscheidend vom Gegner ab. Auch sollte hier festgehalten werden, dass es selten den Fall gibt, in dem wir mit einer Made Hand einen Turnraise callen und dann gegen einen Riverbet folden. In der Regel verpflichten wir uns hier mit dem Turncall dazu, auch einen weiteren Riverbet zu callen.

Wenn ein Spieler zwei oder mehr Gegner raist oder checkraist, sollten regelmäßig die Gewinnchancen mit mittelstarken Händen überdacht werden. Zeigt ein Gegner nämlich solche Stärke, deutet dies auf starke Hände hin und ist selten ein (Semi-)Bluff.
Exkurs 2

Generell gilt, dass man Made Hands bei nur einem einzelnen Gegner selten gegen einen Riverbet folden sollte. Ein Rivercall kostet uns regelmäßig einen einzelnen Bet, während es uns den gesamten Pot kostet, wenn wir die beste Hand wegwerfen. Das heißt nicht, dass wir nun jeden Gegner immer ausbezahlen sollten. Allerdings sind die Potodds am River häufig günstiger als unsere Gewinnwahrscheinlichkeit, sodass viele Calls, die aussichtslos erscheinen, dennoch profitabel sind.
Zusammenfassend kann man hier sehen, dass wir unsere Made Hands regelmäßig aggressiv spielen, also setzen und erhöhen sollten. Auf diese Weise lassen sich unsere eingangs angesprochenen Ziele am besten erreichen. Sollte sich eine Hand aber völlig anders entwickeln als geplant, kann es sinnvoll sein, einen Gang zurückzuschalten.

Das Spiel vor dem Flop

Filed under: Limits — admin @ 9:53 pm

Anpassung an höhere Limits

Mit dem Aufstieg in den Limits verändern sich die Gegner – der durchschnittliche Gegner wird besser – und somit müssen wir unser Spiel diesen neuen Umständen anpassen. Grundlegende Veränderungen mit steigenden Limits:

  1. Die Gegner werden tighter.
  2. Die Pots werden durchschnittlich kleiner und es gibt weniger Multiway-Pots, wir sind häufig heads-up oder maximal zu dritt auf dem Flop.
  3. Die Blinds spielen eine größere Rolle, denn durch kleinere Pots stellen sie einen größeren Anteil am Gesamtpot dar.

Daraus ergeben sich einige wichtige Veränderungen in unserem Spiel:

  • Zu 1) Wenn die Gegner tighter spielen, haben sie durchschnittlich eine stärkere Hand, wenn sie in das Spiel einsteigen.
  • Zu 2) Es gibt weniger profitable Situationen für spekulative Hände wie kleine Paare und Suited Connectors, da zu wenig Spieler und somit zu wenig Geld im Pot ist.
  • Zu 3) Wenn die Blinds einen großen Teil des Gesamtpots ausmachen, wird es wichtiger, darum zu kämpfen. D. h., wir sollten unsere Blinds öfter verteidigen und gleichzeitig versuchen, häufiger die Blinds der Gegner zu stehlen.

In der Anfängerversion gehen wir davon aus, dass stets eine Reihe weiterer Spieler in den Pot einsteigt, wenn wir in früher oder mittlerer Position nur callen. Beispielsweise eröffnen wir in früher Position mit einem Open Call Hände wie -,    offsuit,    - suited sowie suited. Diese zusätzlichen Spieler, die mit durchschnittlich schwächeren Händen callen, führen dazu, dass diese Hände auch früher und somit schlechter Positionen spielbar sind. Wenn wir nun jedoch davon ausgehen, dass die Gegner eine durchschnittlich korrektere (tightere) Starthandauswahl anwenden, werden wir seltener von schwächeren Händen gecallt. Steigen also jetzt Spieler mit uns in den Pot ein, haben sie deutlich stärkere Hände.
Durch das bessere Preflop-Spiel der Gegner kommt es auch dazu, dass die durchschnittliche Preflop-Aggressivität an Tischen mit steigendem Limit zunimmt. Und somit werden wir häufig von Gegnern isoliert und müssen in schlechter Position mit mittelstarken Händen in erhöhten Pots spielen. Kein gutes Szenario. Wir müssen uns also überlegen, wie wir dem entgegenwirken können.

Die Lösung ist recht einfach und besteht aus zwei wesentlichen „Regeln”:

  1. Wir müssen in früher Position sehr (!) tight spielen.
  2. Wir sollten nicht mehr mit einem Call eröffnen.

Daraus ergeben sich einige Anpassungen an unserem bisherigen Starting Hand Chart (SHC):

In früher Position:

  • Bisher haben wir mit - gecallt. Jetzt erhöhen wir mit und und folden und .
  • Große Karten, besonders wenn sie offsuited sind ( und ) werden gefoldet.
  • Es werden keine Erhöhungen gecallt: entweder reraisen (3-betten) wir oder wir folden.
  • Spekulative Karten einer Farbe wie -, und sollten konsequent gefoldet werden.

In mittlerer Position:

  • Hände, mit denen wir bisher gecallt haben, werden geraist, sobald wir als Erster in den Pot einsteigen (alle „Calls” werden zu „Raise0″)
  • Es werden keine Erhöhungen gecallt: entweder 3-betten wir oder wir folden.

In später Position:

  • Wenn wir als Erster in den Pot einsteigen, können wir mit vielen Händen versuchen, die Blinds zu stehlen. Das gilt insbesondere auf dem Button, aber auch aus dem Cut-off ist dies ein wichtiger und profitabler Spielzug. Besonders, wenn die Spieler im Small und Big Blind sehr tight spielen und wir vermuten, dass sie uns oftmals ihre Blinds überlassen.
  • Eine gute Position in den Postflop-Setzrunden erlaubt es uns, mehr Hände zu spielen. Dabei dürfen die Odds jedoch nicht außer Acht gelassen werden und spekulative Hände wie kleinere Suited Connectors oder kleine Paare nur dann gespielt werden, wenn vor uns genügend Gegner eingestiegen sind. Weil auf diesen Tischen, wie oben bereits erwähnt, im Durchschnitt weniger Spieler den Flop sehen, müssen wir diese Hände oft folden.

In den Blinds:

  • Besonders als Big Blind sollte man regelmäßiger verteidigen als auf den Microlimit-Tischen.
  • Sollte der Smallblind versuchen, unseren Big Blind zu stehlen, haben wir die ganze Hand über Position und können mit den meisten Händen unseren Big Blind verteidigen.
  • Steals aus später Position bzw. aus dem Small Blind können häufig geraist werden, wenn wir eine schwächere Hand beim Gegner vermuten. Dadurch ergreifen wir die Initiative, was es uns oft ermöglicht, den Pot bereits auf dem Flop zu gewinnen. Zudem haben wir auch noch den Vorteil der Fold Equity und können so einige Pots gewinnen, in denen sowohl der Gegner als auch wir den Flop verpassen.
Blinds Stehlen und Verteidigen

Bei dieser Aufstellung wird deutlich, dass wir unser Spiel vor allem um die Blinds herum stärker als bisher an die Gegner anpassen sollten. Wenn wir gegen Spieler antreten, die häufig unseren Big Blind angreifen, müssen wir entsprechend häufiger verteidigen. Lassen sich die Spieler links von uns zu oft die Blinds stehlen, müssen wir in später Position jede Möglichkeit nutzen, die Blinds zu attackieren.

Aber wie „häufig” sollte man denn nun tatsächlich angreifen oder verteidigen?

  • Hierzu ein Beispiel:

1/2-Limit Hold’em: Angenommen, alle Gegner folden zu uns im Small Blind. Wenn wir erhöhen und der Big Blind foldet, gewinnen wir sofort $1,5 (SB 0,5 + BB 1). Der Steal-Versuch kostet uns ebenfalls $1,5.

EV = p(fold) x $1,5 – (1 – p(fold)) x ($1,5)

Der Erwartungswert ist also $1,5 Gewinn multipliziert mit der Wahrscheinlichkeit, dass der BB foldet, abzüglich $1,5 (unser Einsatz) mal der Wahrscheinlichkeit, dass der BB nicht foldet.

Wenn dieser Erwartungswert größer als 0 ist, haben wir eine profitable Situation. Der Wert ist genau 0, wenn der BB die Hälfte seiner Hände foldet, also in 50 % der Fälle. Damit also folgendes Ziel erfüllt ist:

EV > 0

muss gelten:

p(fold)>0,5 (=50%)

Wenn der Big Blind also weniger als 50 % seiner Hände verteidigt, sollten wir demnach in dieser Situation mit jeder Hand raisen. Erstens ist dieses Spiel schon dann profitabel, wenn wir nach dem Flop jeweils folden, dazu kommt aber, dass wir sicher das ein oder andere Mal eine wirklich gute Hand haben, obwohl der BB versucht, zu verteidigen. Und das bringt uns zusätzlichen Value.

Aber Achtung: Die Rechnung betrachtet nur das Preflop-Spiel und Hold’em besteht bekanntermaßen aus mehreren Setzrunden. Wer also nach dem Flop auch marginale oder schlechte Hände weiterspielen will, wird mehr Fold Equity brauchen. Als Fazit bleibt aber, dass man – je nach Spielweise des Gegners – mit vielen Händen stealen kann und auch, dass man nicht zu häufig gegen Steals folden sollte (also mehr als 50 % seiner Hände verteidigen muss, wenn der Gegner unseren Blind jedes Mal angreift), um dem Gegner nicht automatisch einen Vorteil zu verschaffen.
Generell gilt, dass wir den Big Blind mit allen Händen verteidigen sollten, die gegen die Range des Gegners eine Equity von 35 % oder mehr haben.

Abschließende Bemerkungen zum Advanced-Preflop-Spiel:
  • Der SHC ist nun also vor allem im Blind-Spiel nicht mehr als statische Anleitung zu sehen. In diesem Bereich kommt es stark auf die Tendenzen der jeweiligen Gegner an.
  • Es gibt Hände, die abweichend vom SHC je nach Situation am Tisch gespielt werden können und sollten. Wenn z. B. der Tisch sehr loose ist, kann es korrekt sein, kleinere Paare in früher Position zu callen.
  • Wenn der Tisch sehr tight ist, kann es profitabel sein, bereits aus mittlerer Position mit mittelstarken Händen die Blinds anzugreifen.
  • Wenn wir einen extrem loosen Spieler vor uns haben, sollten wir oft vom SHC abweichen und versuchen, ihn mit unseren stärkeren Händen zu isolieren.
      • Beispiel:
        Wenn der Spieler vor uns in mittlerer Position 50 % seiner Hände erhöht, sollten wir Hände wie z. B. ATo nicht folden, sondern reraisen. Der SHC geht davon aus, dass der Spieler vor uns ähnliche Starthand-Standards anwendet wie wir. Eine Erhöhung aus mittlerer Position bedeutet also eine Top-10%-Hand (77+, A9s+, KTs+, QJs, AJo+, KQo). Gegen diese Hand haben wir laut Chancenrechner nur knapp 39 % Equity und sollten folden. Gegen eine Range der Top 50 % aller Starthände besitzt ATo allerdings eine Equity von über 57 % und wir sollten erhöhen. Dies ist ein extremes Beispiel, hier empfiehlt es sich, ein wenig mit dem Chancenrechner und Handranges zu experimentieren um ein Gefühl zu bekommen, welche Hand gegen welche Range gut funktioniert. Generell kann man in Position erhöhen und versuchen, den Spieler vor sich zu isolieren, wenn man gegen dessen Range eine Equity von knapp 50 % oder mehr hat.

November 5, 2008

Die Vorteile eines aggressiven Images

Filed under: Image — admin @ 11:50 pm

Einer der wichtigsten Aspekte beim Poker ist es ein individuelles Image aufzubauen und dies zu seinem Vorteil zu nutzen. Wenn Du extrem aggressiv spielst, wird es wahrscheinlicher, dass Du auch mit sehr guten Karten viele Chips gewinnst, weil Deine Gegner Dich auf einen Bluff setzen. Wenn Du dagegen ständig tight spielst, kannst Du auch öfter bluffen, weil Deine Gegner Dir eine starke Hand glauben. Beide Varianten sind in Ordnung, es ist allerdings unglaublich wichtig sich seines Images bewusst zu sein, damit man es profitabel ausnutzen kann.

Meistens bewegen sich Spieler genau zwischen den beiden Extremen und das ist selten von Erfolg gekrönt. Ein Schlüssel zum Erfolg ist immer genau das Gegenteil von dem zu tun, was Deine Gegner gerade machen. Du solltest einen eigenen Stil entwickeln und dann davon abweichen, damit Du einen Vorteil gegen Spieler hast, die ihre Spielweise nicht anpassen können.

Ich denke, dass der sehr aggressive Stil am besten funktioniert. Ein Grund dafür ist die Möglichkeit, Chipleader zu werden und das Turnier dominieren zu können. Auf der anderen Seite kann man damit auch früh ausscheiden. Für mich ist es das Risiko wert. Langfristig bin ich daran interessiert ein Turnier zu gewinnen, also nur ins Geld zu kommen.

Denke daran, bei der Aggression geht es nicht nur ums Bluffen und darum Pötte zu stehlen. Mein ultimatives Ziel ist es bezahlt zu werden, wenn ich eine starke Hand habe. Wenn ich eine Menge Hände spiele während ich meinen Stack bei nahezu plus-minus Null halte, schaffe ich mir ein looses Image und meine Gegner glauben, dass ich nichts getroffen habe. Ich muss auch nicht jedes Mal Erfolg haben, wenn ich bluffe, nur genug um zu Überleben zu können. Darüber hinaus helfen mir Bluffs bei denen ich ertappt werde, mein Image zu stärken. Wenn ich dann aber einmal eine starke Hand habe, werde ich auch sehr wahrscheinlich einen sehr großen Pot gewinnen können.

Hier ist ein perfektes Beispiel von Tag Sieben des WSOP Main Events – der Tag der entscheiden sollte, wer den Final Table erreicht. Ich begann den Tag mit etwa 4,5 Millionen Chips, das war etwas unter dem Durchschnitt. Ich wusste, dass ich etwa 15 Millionen brauchte, um an den Final Table zu kommen und um dann auch eine Chance auf den Sieg zu haben. Ich hatte keine Absicht mich als Short Stack rein zu schleichen, deshalb war mir klar, ich muss mich im Laufe des Tages verdreifachen.

Mein Stack veränderte sich aber im Laufe des Tages kaum, außer bei zwei riesigen Pötten, die direkt zusammenhingen. Der erste war früh am Spieltag, als ich einen Bluff mit Ace-high am Flop machte, weil ich glaubte, meinen Gegner damit zum Folden bringen zu können. Er callt mich aber mit Top Pair und ich traf ein Ass am River um mich zu verdoppeln. Natürlich hatte ich hier viel Glück, aber was ebenfalls wichtig war, ich zeigte dem Tisch, dass ich keine Angst davor hatte alle meine Chips bei einem Bluff zu riskieren.

Später im Tag spielte ich eine Hand und hielt die Nuts – es lagen vier Pik auf dem Board und ich hatte das Pik Ass. Mein Gegner hatte einen kleineren Flush – mit der Pik Neun, glaube ich – aber mein Image war so verrückt, dass er callte, weil er glaubte, ich bluffe. Die Hand davor, wo ich mit Ace-high All-In ging, war wohl noch in seinem Hinterkopf. Pokerspieler wollen immer callen. Sie denken: welche Hände könnte ich schlagen? Das ist noch drastischer, wenn Du an einem TV-Tisch sitzt, weil niemand derjenige sein will, der eine gute Hand foldet, während ein anderer eiskalt blufft – besonders wenn die ganze Nation zuschaut. Wegen meines loosen Images habe ich dadurch einen 18 Millionen Chip Pot gewonnen.

In gewisser Hinsicht, ist es nicht einfach Poker aggressiv zu spielen. Du musst emotional gefestigt sein, um die Schwankungen auszuhalten. Du musst tief in Dir verstanden haben, dass Du manchmal mit einem Bluff riesige Pötte verlieren wirst – vielleicht sogar Deinen gesamten Stack. Wenn das passiert, darfst Du nicht zusammenbrechen. Du musst dann zum nächsten Turnier gehen und bereit sein, den gleichen Move noch einmal zu machen – weil er meistens funktionieren wird. Du darfst nie Angst haben, weil es in der Vergangenheit nicht gut gelaufen ist. Um so aggressiv zu spielen, musst Du daran glauben, dass es der richtige Weg ist. Wenn Du das schaffst, wirst Du langfristig Erfolg haben.

November 3, 2008

Wie man ein Pokerturnier gewinnt – Teil II

Filed under: Pokerturnier — admin @ 10:20 pm

Vergangene Woche habe ich darüber gesprochen, wie man sein Spiel bei einem Turnier umstellen muss, habe drei Fragen zu Turnieren beantwortet und betont, dass es wenig Unterschiede zwischen Cashgame- und Turnierstrategie gibt. Diese Woche möchte ich eine weitere Frage beantworten und zwei Situationen zeigen, in denen es Sinn macht, vom „richtigen“ Spiel abzuweichen.

Die vierte Frage: Die unterschiedliche Payout-Struktur zwischen Cashgames und Turnier hat doch sicher etwas zu bedeuten, oder?

Ja. Turniere unterscheiden sich von Cashgames in diesem Punkt. Bei Turnieren wirst Du dafür belohnt lange durchzuhalten und nicht dafür viele Chips zu sammeln.

Bei den Ring Games ist ein Chip den Du sparst, weil Du foldest genauso viel wert, wie ein Chip den Du gewinnst. Chips die Du im Turnier sparst sind dagegen mehr wert.

Nehmen wir ein typisches $1.000 Buy-In-Turnier mit 100 Spielern, bei dem der erste Platz $40.000 von einem $100.000 Preispool bekommt.

Zu Beginn des Turniers hat jeder Spieler 1.000 Chips mit dem Wert $1.000. Der Gewinner hat schließlich 100.000 Chips, die bei einem Cashgame auch $100.000 wert wären. Hier im Turnier sind sie aber nur $40.000 wert. Am Ende sind also 1.000 Chips nur noch $400 wert. Wenn Dein Stack wächst nimmt gleichzeitig der Wert jedes zusätzlichen Chips ab. Das bedeutet, Du solltest weniger unnötige Risikos eingehen, als Du es beim Cashgame machen würdest. (Bist du generell dagegen Risikos einzugehen bei Deinen Cashgames, spielst Du zu hohe Limits für Deine Bankroll.) Bleibe eher Deiner Cashgame-Strategie treu, als übertrieben viel an Deiner Spielweise bei einem Turnier zu ändern. Viele Leute hätten mehr davon, wenn sie ihre Strategie gar nicht ändern würden, denn meist sind die Änderungen zu extrem und darunter leidet dann ihr Spiel.

Es gibt für meine oben genannte Theorie auch zwei Ausnahmen, bei denen es profitabel ist vom normalen Spiel abzuweichen:

1. Wenn Du kurz vor dem Geld bist

Wenn Du sehr short stacked bist, musst Du sehr vorsichtig sein wenn Du Deine restlichen Chips in die Mitte schiebst, besonders wenn Du callst.

Wenn Du einen Big Stack hast, kannst Du nach Möglichkeiten suchen, die kleinen und mittleren Stacks zu belasten – besonders die mittleren. Diese Spieler werden so kurz vor dem Geld sicher gerne einer Konfrontation mit Dir aus dem Weg gehen. Damit ist die Jagdsaison für deren Blinds und Antes eröffnet.

Wenn Du einen mittleren oder kleinen Stack hast, musst Du ein bisschen vorsichtiger sein. Denke daran, die anderen Spieler – sogar die Big Stacks – wollten sich nicht mit Dir duellieren. Sie wollen nur Deine Blinds klauen, ohne Deine Gegenwehr. Stelle Dich also darauf ein, sie ein bisschen auszuspielen und Dich aggressiv zu wehren, wenn sie von Dir stehlen wollen. Es wird meist ein Kräftemessen der Big Stacks, wer zuerst den Schwanz einzieht und wer mehr Blinds und Antes klauen darf.

2. Am Final Table

Du musst Deine Spielweise kaum ändern, bevor Du nicht einen Spieler entfernt vom Finaltisch bist. Hier solltest Du wieder tighter spielen, weil die Payout-Struktur hier die überlebenden Spieler deutlich belohnt.

Halte Ausschau nach Möglichkeiten andere Spieler zu belasten, besonders die Short Stacks. Diese Strategie kannst Du während des gesamten Final Tables beibehalten.

Was ist mit Heads-Up?

Nun sind keine Anpassungen und Umstellungen mehr nötig. Im Grunde spielst Du jetzt ein Freezout, bei dem der Sieger alles gewinnt. Als Prämie gibt es hierbei die Gelddifferenz zwischen ersten und zweiten Platz.

Denke daran: Die Veränderungen Deiner Spielweise im Turnier sollten sehr subtil sein. Nur in sehr seltenen Fällen kannst Du Deine Strategie deutlich verändern. Spiele Deine Hände im Zweifelsfall als wärst Du im Cashgame und spiele so gut Du kannst. Selbst wenn Du Deine Spielweise nie änderst, hast Du auf diese Art und Weise immer eine gute Chance erfolgreich zu sein.

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