Einer der größten Fehler bei Turbo-Multi-Table-Turnieren ist in den ersten Runden zu schnell und zu loose zu spielen. Die Blindlevel sind kürzer und die Starting Stacks kleiner; deshalb neigen viele Spieler dazu frühzeitig mit A9 oder 55 All-In zu gehen. Diese Turniere laufen während der ersten Level aber tatsächlich wie normale Turniere, d.h. es ist wichtig Geduld zu haben und auf große Hände zu warten.
In den ersten 15 oder 20 Minuten eines Turbo-Turniers solltest Du genauso spielen, wie in den ersten 60 oder 90 Minuten eines normalen Turniers. Du solltest gute Hände aggressiv spielen und aus später Position, sobald Du aber auf Widerstand stößt musst Du Deine Hand auch folden können. Zu diesem Zeitpunkt lohnt es sich nicht all Deine Chips mit AJo oder 55 zu riskieren, wenn ein Gegner Dich re-raised.
Es ist deshalb auch eher sinnlos die Blinds zu attackieren, weil sie sehr niedrig sind im Vergleich zum Starting Stack und es deshalb das Risiko nicht wert ist. Blinds stehlen wird viel wichtiger, wenn die Blindlevel gestiegen sind und auch Ante dabei ist. Noch etwas spricht gegen das Stehlen der niedrigen Blinds: Bei Turbo-Turnieren neigen Spieler dazu ihre Hände sehr schnell zu spielen und deshalb ist die Chance hoch, dass sie Blinds oft verteidigen oder sogar re-raisen. Deshalb ist es noch sinnloser als sonst, kleine Blinds anzugreifen.
Du kannst in der Anfangsphase kleine Hände spielen, die große Pötte gewinnen. Wenn Du in einer guten Position bist solltest Du so viele Flops wie möglich anschauen, wenn Du ein kleines Paar oder Suited Connectors auf der Hand hast. Diese Hände können große Pötte gewinnen. Wenn ich z.B. 66 habe folde ich selten zu einem Raise. Ich weiß, dass ich jedes achte Mal mein Set treffe und ich mich verdoppeln werde, weil mein Gegner seine Hand nicht folden kann.
Wenn Du ein Raise vor dem Flop mit einem kleinen Paar callst, solltest Du darauf achten, dass es mathematisch korrekt ist und sich das 1:8 Risiko lohnt. Im Idealfall hat Dein Gegner noch 20 Mal so viele Chips, wie er geraised hat. Wenn Dein Gegner nur noch fünfmal so viele Chips übrig hat, ist ein Call mathematisch falsch.
Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Turbo und normalen Turnieren ist, dass ich in normalen Turnieren in den frühen Phasen ein bisschen aggressiver bin, um mein Image aufzubauen. Dann raise ich oft mit Händen wie J9s oder Q8s in später Position, aber diese Taktik geht in Turbo-Turnieren nicht auf. Bei den Turbos folde ich diese Hände, weil es schwierig ist mit dieser Hand einen großen Pot zu spielen.
Lass Deine Gegner ihre schwachen Hände in den frühen Phasen überschätzen – sie werden es meistens tun. Sie erhöhen oder callen Raises vor dem Flop mit 44 und wenn der Flop QJ7 kommt gehen sie trotzdem All-In. Diese Spieler übertreiben es auch gerne mit AK. Nach ihrem Raise können sie die Hand zu einem Check-Raise nicht folden, wenn der Flop J74 kommt. Obwohl sie offensichtlich hinten liegen callen sie eine große Wette in der Hoffnung ein Ass oder einen König am Turn zu treffen.
Manche Spieler gehen in dieser Situation sogar All-In. Sie haben lediglich zwei Overcards, aber ich denke, dass Sie bereits glauben, viel investiert zu haben, also können Sie auch All-In gehen. Sie sind ungeduldig – und das liegt an den Turbo-Turnieren. Nur weil man mit weniger Chips startet und schnellere Blindlevel hat, machen viele Spieler diesen Fehler.
Wenn es eine Sache gibt, die Du Dir bei Turbo-Turnieren merken solltest, ist es geduldig anfangen und auf große Hände warten. Viele Spieler überspielen ihre Hände zu Beginn und verlieren damit die Hälfte ihres Stacks. Sei Du lieber derjenige, der diese Hälfte gewinnt.