Poker – Strategien, Tipps und Tricks

December 29, 2008

Wie man die frühe Phase eines Turbo-MTTs spielt

Filed under: Pokerturnier — admin @ 6:56 pm

Einer der größten Fehler bei Turbo-Multi-Table-Turnieren ist in den ersten Runden zu schnell und zu loose zu spielen. Die Blindlevel sind kürzer und die Starting Stacks kleiner; deshalb neigen viele Spieler dazu frühzeitig mit A9 oder 55 All-In zu gehen. Diese Turniere laufen während der ersten Level aber tatsächlich wie normale Turniere, d.h. es ist wichtig Geduld zu haben und auf große Hände zu warten.

In den ersten 15 oder 20 Minuten eines Turbo-Turniers solltest Du genauso spielen, wie in den ersten 60 oder 90 Minuten eines normalen Turniers. Du solltest gute Hände aggressiv spielen und aus später Position, sobald Du aber auf Widerstand stößt musst Du Deine Hand auch folden können. Zu diesem Zeitpunkt lohnt es sich nicht all Deine Chips mit AJo oder 55 zu riskieren, wenn ein Gegner Dich re-raised.

Es ist deshalb auch eher sinnlos die Blinds zu attackieren, weil sie sehr niedrig sind im Vergleich zum Starting Stack und es deshalb das Risiko nicht wert ist. Blinds stehlen wird viel wichtiger, wenn die Blindlevel gestiegen sind und auch Ante dabei ist. Noch etwas spricht gegen das Stehlen der niedrigen Blinds: Bei Turbo-Turnieren neigen Spieler dazu ihre Hände sehr schnell zu spielen und deshalb ist die Chance hoch, dass sie Blinds oft verteidigen oder sogar re-raisen. Deshalb ist es noch sinnloser als sonst, kleine Blinds anzugreifen.

Du kannst in der Anfangsphase kleine Hände spielen, die große Pötte gewinnen. Wenn Du in einer guten Position bist solltest Du so viele Flops wie möglich anschauen, wenn Du ein kleines Paar oder Suited Connectors auf der Hand hast. Diese Hände können große Pötte gewinnen. Wenn ich z.B. 66 habe folde ich selten zu einem Raise. Ich weiß, dass ich jedes achte Mal mein Set treffe und ich mich verdoppeln werde, weil mein Gegner seine Hand nicht folden kann.

Wenn Du ein Raise vor dem Flop mit einem kleinen Paar callst, solltest Du darauf achten, dass es mathematisch korrekt ist und sich das 1:8 Risiko lohnt. Im Idealfall hat Dein Gegner noch 20 Mal so viele Chips, wie er geraised hat. Wenn Dein Gegner nur noch fünfmal so viele Chips übrig hat, ist ein Call mathematisch falsch.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Turbo und normalen Turnieren ist, dass ich in normalen Turnieren in den frühen Phasen ein bisschen aggressiver bin, um mein Image aufzubauen. Dann raise ich oft mit Händen wie J9s oder Q8s in später Position, aber diese Taktik geht in Turbo-Turnieren nicht auf. Bei den Turbos folde ich diese Hände, weil es schwierig ist mit dieser Hand einen großen Pot zu spielen.

Lass Deine Gegner ihre schwachen Hände in den frühen Phasen überschätzen – sie werden es meistens tun. Sie erhöhen oder callen Raises vor dem Flop mit 44 und wenn der Flop QJ7 kommt gehen sie trotzdem All-In. Diese Spieler übertreiben es auch gerne mit AK. Nach ihrem Raise können sie die Hand zu einem Check-Raise nicht folden, wenn der Flop J74 kommt. Obwohl sie offensichtlich hinten liegen callen sie eine große Wette in der Hoffnung ein Ass oder einen König am Turn zu treffen.

Manche Spieler gehen in dieser Situation sogar All-In. Sie haben lediglich zwei Overcards, aber ich denke, dass Sie bereits glauben, viel investiert zu haben, also können Sie auch All-In gehen. Sie sind ungeduldig – und das liegt an den Turbo-Turnieren. Nur weil man mit weniger Chips startet und schnellere Blindlevel hat, machen viele Spieler diesen Fehler.

Wenn es eine Sache gibt, die Du Dir bei Turbo-Turnieren merken solltest, ist es geduldig anfangen und auf große Hände warten. Viele Spieler überspielen ihre Hände zu Beginn und verlieren damit die Hälfte ihres Stacks. Sei Du lieber derjenige, der diese Hälfte gewinnt.

December 3, 2008

Wann man vom Pokern eine Auszeit nehmen sollte

Filed under: Slow play — admin @ 10:21 pm

Einer der Vorteile beim Poker, insbesondere beim online-Poker , ist die Tatsache, dass Dir das Spiel jederzeit zur Verfügung steht. Nicht so wie beim Baseball, bei dem Du immer dem Zeitplan Deines Teams unterliegst, oder als Arzt, wo Du jederzeit für einen Notdiensteinsatz zur Verfügung stehen musst. Beim Poker kannst Du auch mal einen Auszeit nehmen und es ist immer noch da, wenn Du wieder kommst. Deshalb empfehle ich nachdrücklich Pausen einzulegen, besonders wenn es Anzeichen dafür gibt, dass Du nicht Dein bestes Poker spielst.

Das häufigste Zeichen worauf Du achten solltest, ist wenn Deine Lust auf das Pokern sinkt. Du solltest nur Poker spielen, wenn Du das auch wirklich willst. Es klingt offensichtlich, aber zu viele von uns spielen weiter, auch wenn ihnen nicht danach ist.

Ich stelle auch fest, wenn ich zu viel negative Gefühle an mir bemerke, dann bietet sich ein guter Zeitpunkt für eine Pause. Wenn ich mich nicht gut fühle, nicht nur wegen Poker, sondern wegen etwas anderem in meinem Leben, dann beeinflusst das mein Spiel negativ.

Ein anderes Signal auf das ich achte, ist wenn ich zu risikoreichem Spiel neige. Sollte ich Turniere spielen und feststellen, dass ich zu leicht bereit bin, all meine Chips für einen Coinflip zu setzen, ist das ein Zeichen dafür. Ich spiele dann nicht mein bestes Poker und sollte besser Abstand nehmen als einen Burnout zu riskieren.

Was immer Deine speziellen Signale sind, wenn Du konstant verlierst besteht die Chance, dass es einen Grund dafür gibt. Viele Spieler sagen dann „Bei mir läuft’s gerade nicht“, aber in den seltensten Fällen ist es wirklich nur das.

Und wenn ich eine Auszeit nehme, dann nehme ich sie wirklich – ich distanziere mich dann komplett vom Spiel. Ich spiele dann einige Tage überhaupt nicht. Das gibt mir die Möglichkeit, eine andere Perspektive zu erlangen und wenn ich wieder anfange bin ich hungrig darauf gut zu spielen.

Bei der 2008er World Series of Poker gab es eine Situation, bei der ich dank meiner Disziplin eine Pause einlegte, obwohl ein Teil von mir sich dagegen gesträubt hatte. Mein Lieblingsevent stand an – das Half Omaha / Half Hold’em – aber ich fühlte, wie ich kurz vor dem Burnout stand. Noch war es zwar nicht so weit, aber ich bin bereits dreimal während der Bubble ausgeschieden und war deshalb sehr niedergeschlagen.

Half Omaha / Half Hold’em ist mein Lieblingsturnier und obwohl ich mich sehr darauf freute, wusste ich eines. Sollte ich spielen, werde ich wahrscheinlich nicht mein bestes Poker abrufen können und darüber hinaus kostet es mich zu viel Kraft um die nächsten Events zu spielen. Deshalb entschied ich mich nach Malibu zu reisen für ein paar Tage und besuchte einen Freund. Dort am Strand fand ich genügend Abstand vom Poker. Das erste Event, das ich nach meiner Rückkehr spielte, war das #29, $3.000 No-Limit Hold’em und ich erreichte Platz 3. Ich gewann mehr als $165.000, so viel wie noch nie zuvor bei einem Liveturnier.

Grundsätzlich vergleiche ich die geistige Verarbeitung von einem Pokerspieler mit einer Batterie: Wenn die Batterie leer ist, muss man sie wieder aufladen. Und die beste Möglichkeit sich selbst aufzuladen geht mit viel Abstand zum Spiel. Du wirst feststellen, die besten Resultate bekommst Du, wenn Du geistig frisch bist und wenn Du spielst, weil Du wirklich spielen willst.

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