Poker – Strategien, Tipps und Tricks

November 11, 2008

Line 3: Check/Call am Flop – Check/Raise am Turn

Filed under: Betting lines — admin @ 10:39 pm

Diese Variante wird von schlechten Spielern viel zu häufig verwendet und von mittelmäßigen bis mäßig guten Spielern deutlich zu wenig. Viele der angesprochenen Spieler wählen diese Variante, um starke bis extrem starke Hände außer Position in der Annahme zu spielen, sie würden damit mehr Wert aus der Hand ziehen.

Sie realisieren dabei nicht, dass sie dadurch, dass sie lediglich starke Hände in dieser Weise spielen, für gute Spieler leicht lesbar werden, die somit klare Entscheidungen haben und ihre schlechteren Hände auf dem Turn einfach aufgeben können, mit den guten Händen aber reraisen. Zudem birgt diese Bet-Sequenz die Gefahr, dem Gegner gratis Karten für einen eventuellen Straight- oder Flushdraw zu geben. Noch ein Aspekt ist, dass, falls der Gegner am Turn ebenfalls checkt, der gelesene Spieler deutlich weniger Wert aus seiner Hand ziehen kann.

Mittelmäßige bis mäßig gute Spieler kennen diesen Umstand und versuchen daher seltener, nach einem Check/Call auf dem Flop zusätzlichen Value mit einem Check/Raise am Turn zu generieren. Dies jedoch wird zum Problem, wenn man gegen semikompetente Opponenten spielt, da diese dann eine neue Line erkennen, nämlich dass man – wenn man auf dem Flop check/call spielt – entweder plant, den Turn zu folden oder preiswert zum Showdown zu kommen mit einer Hand wie einem mittleren Paar. Dies führt also ebenfalls dazu, dass das eigene Spiel berechenbar wird und Gegner sehr korrekte Entscheidungen treffen können.

Dies ist exakt, was wir als Pokerspieler vermeiden wollen. Wir wollen eben nicht leicht berechenbar sein und wollen das sprichwörtliche “As” im Ärmel haben, das es uns ermöglicht, uns variabel in diversen Situationen zu verhalten. Daher sollte man in Verteidigungssituationen von Blinds in der Lage sein, neben mittelmäßigen Blättern auch Hände wie Top Pair auf dem Flop check/call zu spielen. Dazu ein Beispiel.

* Beispiel:

Wieder im Big Blind. Diesmal halten wir:

[Queen] [Eight]

Der gesamte Tisch wirft seine Karten weg, nur der Button (ein semiguter Spieler, der halbwegs gut Hände lesen kann, jedoch kein Experte ist, und gegen den wir aufgrund seines hohen Spielvolumens schon häufiger gespielt haben) erhöht, der Small Blind foldet und wir gehen die Erhöhung mit. Zwei Spieler zum Flop.

[Queen of diamonds] [Seven of spades] [Two of hearts]

Wir treffen das Top Pair auf einem Flop, der von seiner Textur her (um es in der Pokersprache auszudrücken) sehr “trocken” ist, dies bedeutet, es liegen keine offensichtlichen Draws parat. In diesem Kontext ist unsere Hand besonders stark, auf dem Turn können wenige Karten kommen, die die Wertigkeit unserer Hand minimieren. Der Gegner erkennt dies ebenso und würde uns bei einem Flop-Check/Raise häufig auf eine fertige Hand setzen, da wir in dieser Situation keinerlei Draw halten können und ein Semi-Bluff daher nicht möglich ist.

Diese Konstellation ist hervorragend geeignet, um bis zum Turn zu warten, um zu check/raisen. Der Gegner wird hier häufig Hände auf dem Turn ein weiteres Mal betten, die er nach einem Check/Raise auf dem Flop gefoldet hätte. Hierzu muss man sagen, dass man nun nicht anfangen sollte, jedes Mal bis zum Turn mit einer Erhöhung zu warten – es ist jedoch eben jenes angesprochene “As im Ärmel”, das jeder Pokerspieler im Hinterkopf seines Arsenals an Spieloptionen haben sollte.

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